Ich bin im August 1939 in Berlin geboren und wohnte damals in der Stralsunder Straße 43. Ich kann mich erinnern, dass wir bei Bombenangriffen in den Humboldtbunker gingen. Es war wie eine Völkerwanderung, Mutti schob den Kinderwagen mit meiner kleinen Schwester und sagte zu mir, ich soll nicht stolpern und hinfallen, dann würde ich totgetrampelt werden. Einmal gingen wir einen anderen Weg, und ich fragte, warum. Meine Mutter sagte nur: „Bis zum Humboldthain schaffen wir es nicht, wir müssen in die Bernauer Straße in einen kleinen Bunker.“ Ich musste auch immer meine Sachen, die ich abends auszog, ganz ordentlich übereinander auf den Stuhl legen, denn wenn ein Alarm kam, musste es ganz schnell mit dem Anziehen gehen. Einmal war dann auch so ein Alarm und wir mussten ganz schnell in unseren Hauskeller gehen. Dann saßen wir alle da unten und lauschten. Nach einer Weile wackelten die Wände und wir bekamen Angst. Einige sagten: „Jetzt ist unser Haus eingestürzt!“ Als es dann ruhig blieb und die Entwarnung kam, haben sie die Tür nach oben vorsichtig aufgemacht und festgestellt: „Unser Haus steht. Es war das Nachbarhaus.“ Ich kann es nicht beschreiben, wie sich alle um den Hals gefallen sind und riefen: „Wir leben noch!“ Dabei sind auch Freudentränen geflossen. Dann sind wir irgendwie raus aus Berlin nach Schlesien zu meinen Großeltern, die ein großes Gut mit Konditorei besaßen, bis dann die Russen kamen und wir flüchten mussten.
Wir danken Frau Becker für die Erlaubnis ihre Erinnerungen hier wiedergeben zu dürfen.