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Tunnelbeleuchtung für Germania

Im Rahmen der nationalsozialistischen Umgestaltung von Berlin zur „Reichshauptstadt Germania“ fanden erste wissenschaftliche Versuche für eine verkehrstechnisch sichere Beleuchtung in Straßentunneln statt. Heute erinnern nur noch wenige Fragmente an die damaligen Planungen.

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Dr. Ing. Eberhard von der Trappen und erste Versuche im Lindentunnel

Am 16. September 1964 erschien in der „Welt am Sonntag“ eine Todesanzeige der Deutschen Phillips GmbH für den kurz zuvor verstorbenen Dr. Ing. Eberhard von der Trappen, welcher „sich mit hervorragendem Fachwissen und mit seiner ganzen Persönlichkeit für das internationale Ansehen unseres Unternehmens auf dem von ihm geleiteten Spezialgebiet“ eingesetzt hatte. In diesem Spezialgebiet, der Beleuchtung im Straßenverkehr, war von der Trappen fast 30 Jahren lang als führender Fachmann anerkannt.

Von der Trappen, 1899 in Dortmund geboren, hatte in Hannover und Dresden Elektrotechnik studiert und trat 1927 eine Stelle als Betriebsingenieur bei der Berliner Bewag (Berliner Kraft- und Licht-AG) an, wo er schnell Karriere machte und ab 1930 die Leitung der Abteilung Öffentliche Beleuchtung übernahm. 1938 wurde er vom „Generalbauinspektor für die Neugestaltung der Reichshauptstadt“ (GBI), Albert Speer, zum „Beauftragten für das Beleuchtungswesen des GBI“ ernannt und für alle verkehrstechnischen Beleuchtungsfragen für Berlin und andere Umgestaltungsstädte zuständig. Aus dieser Planung folgte eine mehrjährige Versuchs- und Entwicklungstätigkeit. Als erste Versuchsstrecke bot sich die neben der Berliner Humboldt-Universität liegende nördliche Rampe des Lindentunnels an, wo auf 100 m Länge mit verschiedenen Installationen die Vorgaben für neu zu entwickelnde Beleuchtungsgeräte festgelegt werden sollten.

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Versuchsreihen im Tunnel unter dem Achsenkreuz

Die erste Versuchsreihe fand – unbeeindruckt vom beginnenden 2. Weltkrieg – zwischen Oktober 1939 und Februar 1940 statt. Um Irritationen des Auges zu vermeiden, wurde eine gleichmäßige Ausleuchtung der Tunneldecke angestrebt; die Lichtstärke der Ein- und Ausfahrten sollte an das jeweilige Außenlicht angepasst sein, was erhöhte Anforderungen an die Regelbarkeit der Beleuchtungsstärke mit sich brachte. Zusätzlich wurden erhebliche Belastungen der Gehäuse durch den Winddruck der passierenden Fahrzeuge festgestellt. Im Februar 1940 wurden die ersten Ergebnisse mit Fotos dokumentiert und eine Präsentation für den GBI vorbereitet. Anschließend erfolgte die Demontage und Verlegung der Versuchanordnung in den östlichen der beiden Straßentunnelstutzen unter der Ost-West-Achse, welche in Höhe des heutigen Sowjetischen Ehrenmal als Bauvorleistung erstellt worden waren, um ein erneutes „Aufreißen“ der Straße beim Bau der Nord-Süd-Achse zu vermeiden. Der Lindentunnel ließ nur eine Fahrbahnbreite von 6 Metern zu, während die geplanten Straßentunnel tatsächlich bis zu 14,5 Meter breit waren. Hier erhielten verschiedene Firmen nun die Möglichkeit, ihre speziell nach den festgelegten Anforderungen entwickelte Beleuchtungsgeräte in realistischer Größenordnung zu testen. Beteiligt waren die Siemens-Schuckert-Werke (SSW), die AEG-Beleuchtungskörper GmbH, die Firmen Hellux und Osram sowie die Firma Goerz als Tochter der Zeiss Ikon. Zum 1. März 1943 ließ der GBI sämtliche Arbeiten an Umgestaltungsplänen einstellen, und in den Tunnel zog eine unterirdische Rüstungsproduktion ein. Von der Trappen trat als Ingenieur in die Organisation Todt ein, geriet zum Ende des Krieges hin in amerikanische Gefangenschaft und arbeitete anschließend bis zu seinem Tode im Jahre 1964 bei der Firma Philipps.

Fakten 

Versuchszeitraum: 1939–1940
Nutzungszweck: Prototypen für Serienfertigung
Zustand: zur Erhaltung demontiert

Hinweis 

Dieser Artikel erschien in der Schattenwelt, Ausgabe 2/2004.

Autor: A. KeilmannStand: 14.08.10 Seitenanfang