Ich hatte vor einiger Zeit beruflich in Schottlands Hauptstadt Edinburgh zu tun, und bei dieser Gelegenheit sah ich mir den ehemaligen Regierungsbunker in der Nähe von St. Andrews an. Die Anlage liegt etwa eine Autostunde nordöstlich von Edinburgh versteckt auf einem als Farmgelände getarnten Grundstück. Im Farmgebäude befindet sich der Eingang zu dem 150 Meter langen Zugangstunnel, der komfortabel mit Teppichboden ausgelegt ist. Am Ende des Tunnels liegen dann die Sicherheitsbüros und der 90-Grad-Versatz zum Schutz vor Druckwellen und die Zugangs-Doppeltür aus zentimeterdickem Stahl.
Der Bunker stammt aus den 1950er Jahren und umfasst zwei Stockwerke mit insgesamt 24.000 Quadratmeter Fläche. Er ist 30 Meter tief, die Wände, der Boden und die Decke bestehen aus drei Meter dickem Stahlbeton. Darüber befindet sich eine meterdicke Erdschicht mit Rasenfläche, in die Betongitter als Zerschellschicht eingebaut sind.
Die Anlage wurde im Rahmen der Verbunkerung der Radarstationen erstellt und galt in dieser Funktion als eine der größten ihrer Art. Als die Radartechnik leistungsfähiger wurde, benötigte man weniger Bunkerfläche, und diese Anlage wurde dann dem Zivilschutz bzw. dem Sitz der Regionalregierung übergeben. Von hier wurden unter anderem die Sirenen ausgelöst, oder aber es liefen Informationen der vielen ABC-Meldestellen ein – in etwa so ähnlich wie bei den Warnämtern in Westdeutschland.
Im Jahr 1968 erhielt der Bunker dann seine wichtigste Rolle: Er wurde zusätzlich als Sitz der schottischen Regierungsstellen im Kriegsfall auserkoren und hätte direkt dem britischen Premierminister unterstanden. Deshalb bezog die Royal Air Force (RAF) einen Teil des Bunkers; Fernmelde- und Operationsräume sowie moderne Belüftungssysteme wurden eingebaut, die im Falle eines erhöhten Auftretens von Radioaktivität gegen den Output der B- bzw. C-Waffen schützen sollten. Die Belegung wurde auf 300 Mann erhöht, die ebenfalls noch im Bunker untergebracht werden mussten. In den Räumen befand sich auch eine Sendestation der BBC, welche die Bevölkerung hätte informieren sollen.
Anfang der 1990er Jahre wurde die Anlage aufgegeben, wohl nicht zuletzt wegen der schwachen Sicherung gegen moderne Penetrationswaffen. Sie sollte dann entkernt und abgetragen werden, aber ein Museumsverein konnte dies in letzter Minute verhindern. Von 1993 an konnte so der Bunker aus der Geheimhaltung entbunden und seit 1994 der Öffentlichkeit als zeithistorisches Museum präsentiert werden.
Mir fiel bei meinem Besuch vor allem die schwache Eingangssicherung auf, die nur aus einer Doppel-Stahltür bestand. Schleusen oder Dekontaminations-Vorrichtungen gab es nicht. Auch war keine verbunkerte Eingangsverteidigung vorgesehen. Die Böden waren zwar aufgeständert und alles wirkte, insgesamt gesehen, recht komfortabel, gefederten Räume oder Fundamente gab es jedoch nicht.
Besichtigungen sind vom März bis Ende Oktober täglich von 10 bis 17 Uhr möglich. Die Anlage liegt an der B940 bei Troywood und ist weiträumig ausgeschildert.
Schottland