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Schnellsuche

Schatzsuche im Harz

Seit die GPS-Signale auch von Nichtmilitärs unverzerrt und überall genutzt werden können, hat sich ein neues Hobby ausgebreitet: Geocachen. Hierbei geht es darum, mithilfe der GPS-Daten einen toten Briefkasten zu finden. Der Phantasie beim Hinterlegen sind kaum Grenzen gesetzt: Man kann die Schatzsucher wie auf einer Schnitzeljagd markante Punkte der Region anfahren lassen, aus deren Daten (zum Beispiel den Baujahren von Sehenswürdigkeiten) sich dann die Koordinaten zusammensetzen. Kleine Gegenstände (Travelbugs) sollen von A nach B befördert werden. Einige Ziele sind nur nachts zu finden, weil sie mit Reflektoren arbeiten. Selbst am Brandenburger Tor soll man fündig werden. Manche Schatzsucher landen im Morast oder auf der Kuhweide, weil sie wegen eines Zahlendrehers die Fährte verloren haben. Die Größe der Caches (Schätze) reicht von der Film- bis zur großen Tupperware-Dose. Ein erfolgreicher Fund wird im Cache dokumentiert – und auf der entsprechenden Website, eventuell, um einige hilfreiche Hinweise ergänzt. Etwa zu Ablageplätzen, wo ein GPS-Empfang nicht möglich ist.

Ich schloss mich im Herbst 2005 einer Gruppe an, die im Harz in alten Eisenbahntunneln geocachen ging. Diese Tunnel sind Überbleibsel der rasanten industriellen Entwicklung im 19. Jahrhundert, als die Eisenbahn den Abtransport von Erzen und Baustoffen, darunter sogar Marmor, gewaltig erleichterte. Den engen Tälern und schroffen Bergen allerdings konnte man nur mit zahlreichen Tunneln begegnen. Die Bahnlinien sind inzwischen meist stillgelegt, einige der Tunnel aber dennoch erhalten. In dreien davon – zwischen Rübeland und Blankenburg – waren die anderen auf Schatzsuche und ich an der Unterwelt interessiert.

Das erste Ziel, ein gekrümmter Tunnel für die Werksbahn eines Steinbruchs – heute gerade einmal durch einen Bauzaun gesichert. Nur wenige Meter entfernt und ähnlich lang (187 m) ist der Bismarcktunnel. Seine Eingänge sind, bis auf ein Schlupfloch auf der Nordseite, zugemauert.

Schließlich ging es noch zum einige Kilometer entfernten Bielsteintunnel (466 m lang). Er diente der Rübelandbahn, die bis 1885 als Zahnradbahn fuhr und 1966 stillgelegt wurde. Inzwischen ist die Rampe am Westportal durch einen betonierten Zugang ersetzt und eingeebnet worden. Zirka 40 Meter hinter dem Eingang geht es plötzlich steil bergab. Am Ende der Schräge sind zu DDR-Zeiten Wände aus Mauersteinen eingezogen und mit Stahltüren, darunter mindestens eine Drucktür minderer Güte, versehen worden. Bei einem der vier Räume könnte es sich um eine Schleuse gehandelt haben. Der sich anschließende Schlauch ist eben und teilweise asphaltiert. Am Ostende befindet sich ein Tor von ca. 4 x 4 Metern – massiv aber ebenfalls nicht druckfest. Man kann es für ein LKW-Tor halten, auch im Internet wird der Tunnel als Garage bezeichnet. Die Nähe zur Zonengrenze macht eine militärische Nutzung wahrscheinlich. Allerdings fällt auf, dass sich keinerlei Entlüftung findet. Spätestens beim Starten der Motoren hätte es also ein Problem gegeben.

Was noch auffiel: In keinem der besuchten Tunnel gab es Vandalismus oder Schmierereien!

Hinweis 

Dieser Artikel erschien in der vereinsinternen Zeitschrift Schattenwelt im Jahr 2005, Nr. 4.

Autor: Stephan WolfStand: 12.05.10 Seitenanfang