Facebook Twitter RSS Login Sprachen
Schriftgröße
Kontrast

Tagesübersicht
Touren und Veranstaltungen

« Mai 2013 »
Mo Di Mi Do Fr Sa So
29 30
1 2

Wochenübersicht
Touren

  2013  
Kalenderwochen
151617181920
35

Schnellsuche

Festung Königstein und Elbflorenz Die Dresdener Unterwelt abseits von Bunkern und Luftschutzanlagen

8667_Die_Festung_Knigstei

Die Festung Königstein

Zunächst führte mich meine Reise zur Festung Königstein, einige Kilometer südlich von Dresden, bei Pirna im Elbsandsteingebirge, auf einem Felsen direkt an der Elbe gelegen. Die einstige Burg wurde erstmals 1233 schriftlich erwähnt. Viele Jahrhunderte lang wurde an ihr gebaut, bis sie zu einer Festung geworden war, gehörte zeitweise zum Königreich Böhmen, später zur Markgrafschaft Meißen. Im späten 16. Jahrhundert wurde sie zur stärksten Festung Sachsens. Trotz oder gerade wegen ihrer starken Befestigung spielte die Anlage militärisch eine weniger wichtige Rolle. Die Festung wurde nie eingenommen, zu sehr hatte sie nach dem Ausbau durch Kurfürst Christian I. (1560–1591) einen abschreckenden Ruf. Hauptsächlich wurde sie durch die Sächsischen Herzöge und Kurfürsten als sicherer Hort in Kriegszeiten sowie als Jagd- und Lustschloß genutzt. Vor ihren Toren fand im August 1813 das Gefecht bei Krietzschwitz statt, eine wichtige Vorentscheidung zur Völkerschlacht bei Leipzig. Ihre ohnehin geringe militärische Bedeutung verlor die Festung Ende des 19. Jahrhunderts mit der Entwicklung von viel weiterreichenden Geschützen. In Kriegszeiten hatte die Festung die Sächsischen Staatsreserven und die geheimen Archivbestände aufzunehmen. In den Jahren 1756 und 1813 und auch im Zweiten Weltkrieg wurden außerdem auf dem Königstein Kunstschätze eingelagert.

Die Festung war bis 1922 das bekannteste Staatsgefängnis Sachsens. Während des Deutsch-Französischen Krieges und der beiden Weltkriege wurde die Festung auch als Kriegsgefangenenlager genutzt. Von 1945 bis 1955 wurde sie in der DDR als sogenannter Jugendwerkhof zur Umerziehung straffälliger und nicht ins Bild der sozialistischen Gesellschaft passender Jugendlicher genutzt. Seit 1955 wurde die 9,5 Hektar große Festungsanlage der Öffentlichkeit als militärhistorisches Freilichtmuseum zugänglich gemacht. Für „Unterweltler“ gibt es auf der Festung Königstein einiges zu entdecken: so befindet sich auf der Festung Königstein einer der tiefsten Brunnen Sachsens, welcher von 1563 bis 1569 bis auf eine Tiefe von 152,5 Metern abgeteuft wurde. Wer sich der Führung „Munitionsladesysteme, Kasematten und Tiefkeller – Verborgene Geheimnisse der Festung Königstein“ anschließt, erhält außerdem Zugang zu den 400 Jahre alten Tiefkellern und unterirdischen Kasemattenanlagen.

Informationen 
  • Homepage der Festung Königstein: www.festung-koenigstein.de
  • Veranstaltungen in den Kasematten der Festung Königstein: www.festung.com
  • Die Führungen dauern etwa 90 Minuten und sind mit 2,00 € recht preiswert. Hinzu kommt der Eintritt zur Festung selbst (5,00 € / erm. 3,00 €) sowie die obligatorische Fotoerlaubnis (1,00 €). Daneben gibt es Dauerund Wechselausstellungen. Ein Teil der Kasematten wird für Veranstaltungen und Festlichkeiten genutzt. Die Festung Königstein ist fast ganzjährig geöffnet, lediglich am 24. Dezember ist sie für Besucher geschlossen.
8669_Dresden

Dresden

Dresden ist immer eine Reise Wert, dachte ich mir, und fuhr diesmal nach Sachsen mit dem Vorsatz, einmal eine Unterwelt abseits von Bunkern und Luftschutzanlagen zu erkunden, was mir auch fast gelungen ist. Nach einer amüsanten Nacht in Dresdens Neustadt (welche die eigentliche Altstadt ist), also dem „Prenzlauer Berg“ oder „Friedrichshain“ von Dresden, was die „Kneipendichte“ anbelangt, stand am nächsten Tag eine Exkursion in die Kasematten der Sächsischen Landeshauptstadt auf dem Programm. Auf dem Weg zu den „Brühlschen Terrassen“ nahe der Frauenkirche und den anderen bekannten Dresdener Sehenswürdigkeiten führte mich mein Weg durch die Königstraße, die zentrale Straße im barocken Viertel Dresdens, der früheren „Neuen Königstadt“, später schlicht „Neustadt“ genannt.

Weniger die schick sanierten barocken Häuser, sondern eine Baugrube unweit der Dreikönigskirche erregte meine Aufmerksamkeit, wohl eine „Berufskrankheit“. Auf dem Gelände, welches Jahrzehnte lang brach lag, soll nun ein Hotel entstehen. Bei den Bauarbeiten stieß man auf die Keller einiger barocker Häuser, die mit Ruinentrümmern verfüllt waren und legte sie frei. Derzeit stellt das Landesamt für Archäologie dort Untersuchungen und Vermessungen an, bevor die Kellerreste wohl dem Neubau weichen müssen.Informationen dazu finden sich unter www.koenigstrasse-dresden.de.

Übrigens, gleich nebenan gibt es den Jazzclub „Neue Tonne“ im Keller des Kulturrathauses Dresden in der Königstraße 15. Ein Besuch ließ sich zeitlich und musikgeschmacklich allerdings nicht in mein Dresden-Programm einbauen. Weiter über die Augustusbrücke ging es zu den Brühlschen Terrassen am südlichen Elbufer und nach einigem Suchen war auch der Eingang zum „Museum Festung Dresden“ gefunden. Kleiner Tipp für Nachahmer: von der Elbe kommend geht man am besten unter den Terrassen hindurch in Richtung Frauenkirche und dann links am Kosel-Palais vorbei. Zwischen der Kunstakademie und dem Albertinum befindet sich am Georg-Treu-Platz der Eingang zum Museum.

Unter der Brühlschen Terrasse befinden sich die Kasematten des ehemaligen nordöstlichen Stadtfestungswalles. Beim Bau der neuen Festung am Ziegeltor – mit der Jungfernbastion als Nordostecke – wurde die Stadtfestung zwischen 1589 und 1592 um etwa 150 Meter nach Osten verschoben und verbreitert. Das kurz vorher – um 1550 – errichtete Ziegeltor (Schiffstor) bezog man beim Bau der Jungfernbastion als Kasematte in den Festungswall ein. Es wurde überbaut und blieb so als einziges der Dresdner Stadttore bis heute erhalten.

Das Ziegeltor, die Attraktion des Museums, durchstieß einst als Tunnelanlage den alten Stadtwall. Die um 1553 entstandene Kleine Bastion am Ziegeltor zeigt sich als Knick in der Außenmauer der Brühlschen Terrasse. Auch der runde Postenaustritt und vier große Schießscharten für Geschütze blieben erhalten.

In der Kleinen Bastion befand sich die Werkstatt von Gießermeister Hilger, die bis gegen Ende des 16. Jahrhunderts in Betrieb war. Das Tor zum Hof der Kleinen Bastion zeigt eingeritzte Hochwassermarken aus drei Jahrhunderten. In Richtung Elbe erstrecken sich drei 40 Meter lange und acht Meter breite Gänge, in denen man früher unter anderem Waffen und Kriegsmaterial aufbewahrte.

Fazit: Dresden ist definitiv immer eine Reise wert, und wenn man Frauenkirche, Zwinger, Semperoper, Fürstenzug und die anderen „üblichen“ Sehenswürdigkeiten schon besucht hat, lockt die Unterwelt allemal. Sofern man hier und da ein Auge zudrückt, kommt man sogar fast ganz ohne Bunker und Luftschutz davon.

Informationen 
  • Die Festungsanlagen können außerhalb einer geführten Tour mit einem Audioguide begangen werden. Der Eintritt kostet 4,00 €, ermäßigt 2,00 €.
  • Informationen zu Öffnungszeiten und vieles weitere findet man unter: www.schloesserdresden.de
Hinweis 

Dieser Artikel erschien in der vereinsinternen Zeitschrift Schattenwelt im Jahr 2010, Nr. 2.

Autor: Holger HappelStand: 04.08.10 Seitenanfang