Mit der Öffnung der Berliner Mauer am 9. November 1989 entstand die Idee, die Berliner Mauer aus dem sogenannten Todesstreifen oder Niemandsland heraus, also im »Originalzustand« zu fotografieren.
Um dies zu realisieren, waren langwierige Gespräche mit den »staatlichen Organen« nötig. Letztlich ist es Matthias Kupfernagel tatsächlich gelungen, die Genehmigungen für ein Projekt mit dem Titel »Fotodokumentation über die Staatsgrenze der DDR in der Hauptstadt Berlin als technisches Denkmal sowie die Veränderungen des Erscheinungsbildes im kommenden Zeitraum« zu erhalten. Allerdings zögerte sich die endgültige Genehmigung zum Fotografieren hinaus, da offensichtlich alle Sicherungs- und Überwachungseinrichtungen erst entfernt werden sollten. Nur mit Mühe konnte so das Brandenburger Tor am 21. Dezember 1989, einen Tag vor dessen Öffnung, noch im »originalen Zustand« fotografiert werden.
Von Ende Dezember 1989 bis Ende März 1990 entstanden 2.317 SW-Fotos, die fast lückenlos die 156 km Mauerstrecke um Berlin wiedergeben, eingeschlossen Aufnahmen von den »Geisterbahnhöfen« der U- und S-Bahn, Gewässern, Kanälen usw.
Die Foto-Ausstellung zeigte eine auch in künstlerischer Hinsicht sehr repräsentative Auswahl. Ausgehend von bekannten Plätzen wie dem Brandenburger Tor, dem Potsdamer Platz, oder Bahnhof Friedrichstraße, anderer markanter Verläufe wie Osthafen, Bouchèstraße, Ringbahn Treptow bis zur »Uferbefestigung« des Griebnitzsees und Kleinmachnow-Teltow wurde sehr anschaulich, welche Ausmaße dieser »Schutzwall« hatte, mit welchen Schikanen und Absurditäten die Menschen leben mußten.
Matthias Kupfernagel, geboren 1948 in Pfaffendorf (Sächsische Schweiz), studierte zunächst Technische Kybernetik an der TU Dresden und später Bühnenbild an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee. Als Bühnenbildner arbeitete er hauptsächlich freischaffend, z. Zt. des Mauerfalles 1989 am Berliner Ensemble, später u. a. in München, Schwerin, Toronto, Weimar, Chemnitz. Er lebt und arbeitet heute als Bühnenbildner und Fotograf in Berlin.
Samstag, 14. August bis Sonntag, 13. November 2011
geöffnet freitags, samstags, sonntags 10 – 18 Uhr
Brunnenstraße 143 (Gewölbe der ehem. »Oswald-Berliner-Brauerei«), 10115 Berlin-Mitte, am U-Bhf. Bernauer Straße (U 8)