Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Freunde des Berliner Unterwelten e.V.,
mit dem Newsletter August 2009 erhalten Sie aktuelle Informationen aus der Welt des Berliner Unterwelten e.V.
Am 12. August 2009 enthüllt der Verein seine dritte zweisprachige Gedenk- und Informationstafel an der Kreuzberger Sebastianstraße.
Anlass im 20. Jahr nach dem Mauerfall ist eine gescheiterten Tunnelflucht. Am 28. Juni 1962 sind dort Siegfried Noffke ermordet und Dieter Hötger schwer verletzt worden, als sie im Keller des Hauses Heinrich-Heine-Straße 49 in einen Hinterhalt der Stasi gerieten, die ohne Vorwarnung das Feuer eröffnete. Ihr Tunnel ist verraten worden.
Es sprechen:
Dietmar Arnold, Vorsitzender des Berliner Unterwelten e.V. (Begrüßung)
Dr. hc. Wolfgang Thierse, Vizepräsident des Deutschen Bundestages
Dr. Eva Högl (MdB)
Dr. Maria Nooke (Gedenkstätte Berliner Mauer)
Dieter Hötger (Zeitzeuge und Tunnelgräber)
Im Anschluss präsentiert die Songwriterin Caro Kunde live ihren Fluchttunnelsong „Frei“, der den Tunnelgräbern von damals gewidmet ist.
Die Veranstaltung ist öffentlich – eine Anmeldung ist nicht erforderlich.
10.30 Uhr, Sebastianstraße 82, 10969 Berlin (nahe U-Bhf. Moritzplatz)
„Gasometer-Bunker“ Fichtestraße ab September auch als reguläre Tour
Gasometer, Bunker, Gefängnis und Senatsreserve
Der letzte mit Mauerwerksverkleidung erhaltene Gasometer beherbergt die größte noch erhaltene Bunkeranlage des Zweiten Weltkrieges in Berlin. Den 1883/1884 errichteten Gasbehälter nutzte die Städtische Gasanstalt vor allem zur Versorgung der Straßenlaternen. Im Jahr 1937 wurde er stillgelegt.
1940/41 wurde innerhalb des alten Gasometers eine Bunkeranlage für 6.500 Personen eingebaut. Nach dem Zweiten Weltkrieg diente der Schutzbau vor allem als Flüchtlingslager, alliiertes Untersuchungsgefängnis, später als Obdachlosenasyl und ab den 1970 er Jahren bis 1988 zur Einlagerung von Senatsreserven, wie sie zu Zeiten des Kalten Krieges angelegt wurden.
Das Vorhaben, den Bunker zu einer modernen Zivilschutzanlage herzurichten, ließ man fallen. Bereits in den 1980 er Jahren gab es Pläne, den Schutzbau zu einem kulturellen Zentrum mit Theater- und Veranstaltungseinrichtungen umzugestalten, die jedoch nicht realisiert wurden. Heute ist das Dach des Gasometers mit Lofts bebaut.
Das Innere des Bunkers ist technisch und baulich weitgehend im Original erhalten und wird vom Verein Berliner Unterwelten zur Ausstellungsfläche ausgebaut. Der Rundgang durch den Gasometer-Bunker in der Fichtestraße über zwei Etagen und durch bis zu 240 Räume wird seinem Namen bereits durch die spannende runde Form des Gebäudes gerecht. Anhand des historischen Technikbereichs mit seinem lauffähigen originalen Schiffs-Dieselmotor, wie er auch in deutschen U-Booten des 2. Weltkrieges verbaut wurde, dem Zellentrakt, den Heizungs-, Lüftungs- und Filteranlagen, den Aufzügen und Treppenhäusern wird in mehreren Kapiteln die wechselvolle Geschichte des Gasometers, seines eingebauten Bunkers und der Stadt Berlin erzählt.
Termine ab 19. September 2009 ganzjährig, Samstag + Sonntag, 11 + 13 Uhr. Für Gruppen sind auf Anfrage auch Führungen zu anderen Zeiten möglich.
ca. 90 Minuten
Fichtestraße 6, 10967 Berlin-Kreuzberg, vor dem Gasometer, Eintritt 9 E, Kartenverkauf ab ca. 15 Min vor Führungsbeginn vor Ort, keine Vorbestellung oder Reservierung, Teilnehmerzahl begrenzt ÖPNV U Südstern (U 7), BUS M 41 Körtestraße.
Wir empfehlen warme Bekleidung, da die Innentemperatur auch im Sommer nur etwa 10 Grad beträgt.
Wie in den vergangenen Jahren wird sich der Berliner Unterwelten e.V. auch zur kommenden Langen Nacht der Museen der Öffentlichkeit präsentieren. Unsere Ausstellung ]Mythos Germania[ – Schatten und Spuren der Reichshauptstadt im Ausstellungspavillon unweit des Denkmals für die ermordeten Juden Europas ist am 29. August bis 2 Uhr in der Nacht geöffnet.
Die Ausstellung wird zur Langen Nacht der Museen um die Sonderausstellung „Ministergärten, Neue Reichskanzlei und Führerbunker“ erweitert. Ein Programm mit Filmvorführung und Fachvorträgen führen die Besucher in folgende Themen ein:
Wir freuen uns auf Ihren Besuch.
Eine kleine Tiefbunkeranlage in der Nähe des Westhafens wurde Anfang Juli durch Vereinsmitglieder zum Fledermaus-Winterquartier hergerichtet. Hierzu wurden zwei verschüttete Notausstiegsschächte beräumt, im Inneren des Bunkers zahlreiche Spezialsteine -so genannte Fledermaus-Wandschalen und Gewölbesteine- aufgehängt und zwei Einfluglöcher geschaffen. Der Ausbau fand in Absprache mit dem Amt für Umwelt und Natur und der Arbeitsgemeinschaft Freilandbiologie sowie mit Unterstützung des Straßen- und Grünflächenamts des Bezirks Mitte statt.