Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Freunde und Förderer des Vereins,
mit dem Newsletter April 2010 wollen wir Ihnen Informationen sowie Hinweise zu Veranstaltungen und Aktivitäten des Berliner Unterwelten e.V. geben und wünschen allen ein frohes Osterfest und einen sonnigen Frühling.
Bereits seit 2001 bietet der Verein diesen Rundgang an, aus dem drei Jahre später die themenbezogene Tour 1 und Tour 3 hervorgegangen sind. Die „Mutter“ aller unserer Touren heißt daher auch „Tour C – Der Classic-Rundgang“.
Die Tour setzt sich aus Teilen der Touren 1 und 3 zusammen und ist für all diejenigen Besucher besonders geeignet, die sich einen ersten Gesamtüberblick über dieses spannende Thema verschaffen wollen. Dabei geben wir einen Einblick in unsere umfangreiche Ausstellung und zeigen Ihnen, was es im Berliner Untergrund alles zu entdecken gibt. Im Rahmen dieser Tour betreten wir zuerst eine in der Zeit des Kalten Krieges „reaktivierte“ Zivilschutzanlage aus den 1980er Jahren. Hier wird die Idee des Bevölkerungsschutzes im Kalten Krieg veranschaulicht.
Über die knapp 1.000 Meter lange Wegstrecke gelangt der Besucher über unterirdische Gänge und den U-Bahnhof Gesundbrunnen im zweiten Teil der Tour in den noch authentisch erhaltenen Gesundbrunnen-Bunker. Diese Anlage stammt aus der Zeit des Zweiten Weltkrieges, hier befindet sich heute das Berliner Unterwelten-Museum. Neben der Thematik des Luftschutzes im Zweiten Weltkrieg werden hier weitere untergründige Aspekte behandelt, wie zum Beispiel die unterirdische Verkehrsinfrastruktur, die Berliner Stadtrohrpost, die Kanalisation oder die Lagerkeller der Brauereien, die als Erste den Berliner Untergrund baulich nutzten.
Wir möchten darauf verweisen, dass wir bei diesem Rundgang aufgrund der zur Verfügung stehenden Zeit nur Teilbereiche unserer umfangreichen Anlagen und Ausstellungsflächen zeigen können.
Ab April 2010 ganzjährig dienstags und mittwochs 12 und 14 Uhr, April bis einschließlich Oktober auch 16 Uhr.
Die Tour C auf unserer Webseite.
Seit September 2009 wird in einem zu Bunker ausgebauten ehemaligen Stein-Gasometer in der Kreuzberger Fichtestraße unsere „Tour F“ angeboten. Diese Tour ist als Zeitreise durch 130 Jahre Berliner Geschichte und behandelt kompakt in 7 Kapiteln alle anderen Touren des Vereins von der Industrialisierung des Vereins, über Bunkerbau, Bombenkrieg, Wohnheim, Gefängnis, Kalten Krieg, Senatsreserve bis zur modernen Bebauung auf dem Dach.
Besonders Technik-Interessierte kommen auf ihre Kosten, denn auf „Tour F“ wird nicht nur modernste Präsentationstechnologie verwendet – den seit zwei Jahren dort ehrenamtlich arbeitenden Vereinsmitgliedern ist es auch gelungen, große Teile der Gebäudetechnik (Schiffsdiesel 1940, Heizung, Lüftung, Beleuchtung) und der Originaleinrichtung zu rekonstruieren.
Gasometer, Fichtestraße 6, Berlin-Kreuzberg
Ab Mai 2010 und bis Ende des Jahres jeden Samstag und Sonntag, 11, 13 und 15 Uhr; zusätzlich Donnerstag um 16.00 Uhr. Eine Voranmeldung ist nicht nötig, geschlossene Gruppentouren können auch zu anderen Terminen über unsere Geschäftsstelle gebucht werden.
Die Tour F auf unserer Webseite.
Brauereien als Pioniere des Berliner Untergrundes
Mitte des 19. Jahrhunderts waren die Brauereien die Pioniere des Untergrundes in Berlin. Sie waren die Ersten, die ihn baulich nutzten. Um das immer populärer gewordene untergärige Bier herstellen zu können, bedurfte es großer Lager und Gärkeller. Diese wurden tief in den Berliner Boden getrieben und waren seinerzeit die größten unterirdischen Bauwerke. Da im Stadtzentrum der Grundwasserspiegel sehr hoch ist, siedelten sich viele Brauereien vor den damaligen Toren der Stadt, in höher gelegenen Gegenden auf den Ausläufern der Höhenzüge des Barnim und des Teltow an. Hier konnte man stellenweise bis zu knapp 20 Meter tiefe Kelleranlagen errichten. Vornehmlich am damaligen Windmühlenberg (dem heutigen Stadtteil Prenzlauer Berg), nördlich des Zentrums, und im Süden am Kreuzberg und in Neukölln wuchsen die Brauereien wie Pilze aus dem und vor allem in den Berliner Boden.
Heute dient keiner der historischen Keller mehr der Bierproduktion. Viele der damaligen Brauereien und ihre Keller sind inzwischen abgerissen oder dienen anderen Nutzungszwecken. Nur an wenigen Stellen in der Stadt kann man noch in die Brauereigeschichte Berlins abtauchen.
Auf dem Areal der ehemaligen Berliner Kindl-Brauerei in Berlin Neukölln zeigen wir Ihnen im Rahmen der Führung nach einem kleinen Einführungs-Bildervortrag das historische, denkmalgeschützte Sudhaus mit seinem imposanten Kupfersudwerk, anschließend begeben wir uns hinab in die Tiefen der ehemaligen Lagerkeller. Nachdem wir den historischen Teil hinter uns gelassen haben, zeigen wir, wie heutzutage Bier gebraut wird. Unter dem alten Sudhaus braut seit Oktober 2009 die Privatbrauerei „Am Rollberg“ verschiedene Bierspezialitäten. Wer möchte, darf nach der Führung gerne auf ein frisch gezapftes „Rollberger“ bleiben.
Führungstermine ab 17. April 2010 voraussichtlich bis Ende 2010 (jedoch nicht am 25. Dezember 2010) jeden Sonnabend um 16 Uhr.
Werbellinstraße 50, 12053 Berlin-Neukölln, am Sudhausturm auf dem Hof.
Festes Schuhwerk, warme Kleidung und Taschenlampe erforderlich. Personen ohne Taschenlampe können leider nicht teilnehmen.
ca. 90 Minuten
9,– €
Die neue Tour K auf unserer Webseite.
Das mysteriöse Erbe der Reichshauptstadt
So wenig wie die Architekten des Generalbauinspektors (GBI) Albert Speer bei den überdimensioniert geplanten Bauten ihrem geschulten Gespür für Proportion trauten, so unsicher waren sie sich hinsichtlich der Tragfähigkeit des Berliner Bodens. Von einzelnen Entwürfen wurden Fassadenausschnitte als 1:1-Modell errichtet. Für einen 117 Meter hohen und 170 auf 119 Meter breiten Triumphbogen in Höhe der heutigen Dudenstraße musste ein Belastungsversuch im Maßstab 1:1 den Baugrund prüfen.
Nach zwanzig Wochen sollte dieser Großbelastungsversuch eigentlich seine Schuldigkeit getan haben – der 14 Meter hohe und zusätzlich über 18 Meter tief in den Boden reichende Betonzylinder steht aber bis heute an der Grenze Tempelhofs. Zwischen 1950 bis 1983 wurden auf dem Grundstück an der General-Pape-Straße weitere Untersuchungen durch die Deutsche Gesellschaft für Bodenmechanik unternommen, die das Wissen über das Verhalten von Boden und Fundamenten unter Last vertieften. 1995 wurde dieses einmalige Ingenieurbauwerk als sichtbarstes Zeichen der nationalsozialistischen Stadtplanung für Berlin unter Denkmalschutz gestellt. Zum Tag des Offenen Denkmals, am 12. September 2009, wurde das Grundstück des weltweit einmalig gebliebenen Belastungsversuchs öffentlich zugänglich gemacht.
Historische Pläne, Modellfotographien des GBI oder moderne Computeranimationen können die Unmenschlichkeit und Unmaßstäblichkeit der nationalsozialistischen Neugestaltungsplanung nur andeutungsweise darstellen. Die Hintergründe des Schwerbelastungskörpers, der Rundgang auf dem Gelände und der Blick von der Aussichtsplattform machen Ihnen die stadtzerstörenden Planungen körperlich erfahrbar.
Im Anschluss an die Führung empfehlen wir Ihnen, weitere Orte entlang des Geschichtsparcours Papestraße zu entdecken.
Führungstermine ab 11. April 2010 bis einschließlich Oktober jeden Sonntag um 12 Uhr. Außerhalb der Führungen ist das Gelände in der Zeit vom 11. April bis 31. Oktober 2010 mittwochs von 10–18 Uhr, donnerstags von 10–14 Uhr, sowie sonntags von 13–16 Uhr für die Öffentlichkeit kostenlos zugänglich.
Am Informationspavillon General-Pape-Straße, Nähe Ecke Loewenhardtdamm (neben dem Zugang zur Kleingartenanlage Papestraße).
Die Tour S auf unserer Webseite.
Vom Flakturm zum Trümmerberg – Einstieg in eine faszinierende unterirdische Ruinenlandschaft
Ab April 2004 führen wir wieder durch das Innere der Flakturmruine im Volkspark Humboldthain. Bei diesem etwas abenteuerlichen Rundgang werden zwei von insgesamt sieben Geschossen der größten Bunkeranlage Berlins gezeigt. Freitragende Abdeckungen und Brücken bieten schwindelerregende Blicke in die Tiefe. Anhand zahlreicher Informationstafeln erläutern unsere Referenten den Besuchern zudem die Geschichte des Bauwerkes. Bisher haben die aktiven Vereinsmitglieder in mehr als 8.000 geleisteten Arbeitsstunden über 1.800 Kubikmeter Trümmerschutt bewegt und zugleich ein Winterquartier für Fledermäuse ausgebaut, das an Bedeutung für die Tiere immer mehr zunimmt. Daher können wir diese Führung nur von April bis Oktober anbieten, um die kleinen Nachtschwärmer nicht in ihrem Winterschlaf zu stören.
Führungstermine am Gesundbrunnen ab 1. April bis einschließlich 31. Oktober 2010 donnerstags bis sonntags 11, 13 und 15 Uhr.
Aus Sicherheitsgründen sind Führungen nur für Besucher ab 14 Jahren möglich (Jugendliche unter 18 Jahren ausschließlich in Begleitung der Eltern). Helme werden durch den Verein gestellt. Warme Kleidung wird empfohlen, da die Innentemperatur auch im Sommer nur etwa 10 Grad beträgt. Festes Schuhwerk wird zur Teilnahme vorausgesetzt.
Die Tour 2 auf unserer Webseite.
Ab April Nach dem Bau der Berliner Mauer im August 1961 hat es immer wieder Versuche von mutigen Menschen gegeben, die tödlichen Sperranlagen unterirdisch zu überwinden und die Freiheit zu erlangen. Anfangs waren noch Fluchten durch die U-Bahntunnel oder die Kanalisation möglich, doch aufgrund der immer ausgefeilteren unterirdischen Sperranlagen begannen Fluchthelfer und Fluchtwillige mit dem Anlegen selbstgegrabener Tunnel. Der erste Fluchtstollen wurde 1961, der letzte 1985 begonnen. Insgesamt waren es über siebzig Tunnelprojekte. Durch die erfolgreichen von ihnen gelangten über 300 DDR-Bürger nach West-Berlin. Es gab spektakuläre Aktionen, Verrat und bitteres Scheitern, wenn die Tunnelprojekte an die Stasi verraten wurden. Bald entwickelte sich ein regelrechtes Katz-und-Maus-Spiel zwischen Tunnelbauern und dem Staatssicherheitsdienst – unter zunehmend schwerer werdenden Bedingungen für die Fluchtwilligen.
Im Rahmen dieser Führung geht es nach dem Besuch der thematischen Ausstellungsräume in der Zivilschutzanlage Blochplatz per „U-Bahn-Shuttle“ zur Bernauer Straße, einem der Brennpunkte des Mauerbaus und auch einer der Schwerpunkte beim Fluchttunnelbau. Auf einer Streckenlänge von nur etwa 500 Metern wurden die Grenzsperranlagen allein hier siebenmal untertunnelt. An diesen authentischen Schauplätzen der Geschichte informieren wir vor Ort sowohl über verratene und gescheiterte Stollen als auch über die beiden erfolgreichsten und spektakulärsten Fluchttunnelprojekte aus der Zeit der Berliner Mauer.
Dabei wird Hasso Herschel, einer der berühmtesten Fluchthelfer, den Besuchern persönlich von seinen drei Tunnelbauten unter der Bernauer Straße berichten, von denen als bekanntester der „Tunnel 29“, durch den 29 Menschen in die Freiheit gelangten, in die Geschichte eingegangen ist. Die Ereignisse rund um diesen Fluchttunnel wurden 1999 von SAT.1 unter dem Titel „Der Tunnel“ verfilmt. Hasso Herschel wurde 1935 in Dresden geboren und flüchtete 1961 aus der DDR. Von 1962 bis 1971 verhalf er als Tunnelgräber oder Fluchthelfer Menschen zur Flucht aus der DDR.
Sonntag, 25. April 2010, Sonntag, 30. Mai 2010, Sonntag, 27. Juni 2010, jeweils 10.30 Uhr. Eine Teilnahme ist nur nach Anmeldung möglich. Informationen zur Anmeldung finden Sie unter www.berliner-unterwelten.de.
Die Tour M auf unserer Webseite.
Lange Nacht der Opern und Theater am 10. April 2010
Zum ersten Mal nimmt das „dokumentartheater berlin“ an der „Langen Nacht der Opern und Theater“ teil und zeigt am 10. April das Stück „OST-Arbeiter“. Es basiert auf den Biographien zweier ehemaliger Zwangsarbeiter/Innen aus der Ukraine und Russland während der Zeit des Zweiten Weltkrieges und der Nachkriegszeit.
Sonnabend, 10. April 2010 um 19, 20, 21, 22, 23 und letztmalig um 0 Uhr.
Bunker A Blochplatz, Bad- / Ecke Hochstraße (nahe des Gesundbrunnen-Centers)
Das Stück OST-Arbeiter auf unserer Webseite.
Sondervorstellungen „Und der Name des Sterns heißt TSCHERNOBYL“ am 24., 25. und 26. April 2010
Ein Telefon klingelt. Eine Nachricht. Dann Rennen, Verwirrung, Chaos. Schon findet sich der Zuschauer inmitten der atomaren Katastrophe von Tschernobyl wieder. Eine beklemmende Reise durch das beeindruckende Labyrinth des ehemaligen Atombunkers beginnt: Frauen von Liquidatoren, Menschen, die in die verstrahlten Gebiete zurückkehrten, Alte, die sonst keinen Platz auf dieser Erde haben, Kinder und Mütter von Tschernobyl kommen zu Wort.
In jedem Raum des Bunkers eine andere wahre Geschichte, die für die Menschen, die sie erzählen, durch den GAU zur bitteren Wahrheit wurde. Begleitet wird das Stück von einer Ausstellung der Photographen Viktor Maruschtschenkow und Igor Kostin, die über Jahre hinweg immer wieder im kontaminierten Gebiet waren und die unvorstellbaren Folgen für die Nachwelt dokumentiert haben.
Zum 24. Jahrestag der Katastrophe am 26. April widmet „das dokumentartheater berlin“ drei Sondervorstellungen dieser nach wie vor kaum zu ermessenden Tragödie der Menschheit.
Aufführungstermine: 24., 25. und 26. April 2010 jeweils um 19.30 Uhr.
Bunker A am Blochplatz, Bad- / Ecke Hochstraße (nahe des Gesundbrunnen-Centers)
Das Stück Und der Name des Sterns heißt Tschernobyl auf unserer Webseite.