Friedhöfe sind ein Teil der Stadtgeschichte, aber auch der menschlichen und gesellschaftlichen Entwicklung. Beides soll in diesem Seminar aufgezeigt werden. Von der Bestattung in der Stadt, unmittelbar an den Kirchen, wandelten sich einige Friedhöfe zu Parkanlagen weit vor den Toren der eng bebauten Areale.
So ist der „Eisenbahnkönig“ Henry Strousberg 1884 auf einem alten Schöneberger Friedhof bestattet worden. Von diesem Friedhof wurden in der Zeit des Nationalsozialismus zahlreiche wertvolle Grabdenkmäler rücksichtslos entfernt und vor die Stadt nach Stahnsdorf auf den Südwestfriedhof der Stadtsynode Berlin umgelagert. Eine „Friedhofsbahn“ brachte zunächst Berliner Verstorbene und ihre Angehörigen aus Berlin auf das Gelände im Südwesten der Stadt, später wurden dann ganze Erbbegräbnisse vom Matthäus-Kirchhof zum dortigen Südwest-Friedhof transportiert.
Bestattungskulturen wandeln sich, waren es im 19. Jahrhundert die Körperbestattungen, so sind es heute Urnenbestattungen, oft anonym. Dem müssen Friedhofsverwaltungen und Krematorien Rechnung tragen. Viele Grabsteine sind „Dokumente“ der Vergangenheit – diese lesen zu können, ist ebenso Teil unseres Seminars. Aber auch Merkwürdigkeiten auf Berliner Friedhöfen, wie willkommene Verstecke für zwielichtige Taten, werden aus der Vergangenheit geholt.
Programmbeschreibung
In fünf Tagen, jeweils von 9 bis 17 Uhr, inklusive Pausen, wird über die Entwicklung der Friedhöfe und Gedenkorte in und um Berlin spannend erzählt. Die Vorträge, Ortsbesichtigungen und Gespräche sind in jeweils zwei Vormittags- und zwei Nachmittagsblöcke, zu je 90 Minuten eingeteilt. Die Pausen geben Ihnen Gelegenheit zu entspannen oder das Gesehene und Gehörte bei einer Stärkung ungezwungen weiter zu vertiefen. Natürlich ist für Sie die Zeit für ein gemeinsames Mittagessen eingeplant.
Mit der Bestätigung Ihrer Anmeldung erhalten Sie ein ausführliches Seminarprogramm, das vorbehaltlich letzter Änderungen ist.
Am ersten Tag werden Sie den Veranstalter, den Berliner Unterwelten e.V., und das detaillierte Programm der Woche kennenlernen. Wegen der umfangreichen Koordination verschiedener Referenten und Ortstermine, kann es vereinzelt zu Änderungen im Ablauf kommen. Einzelheiten des Ablaufes und der Organisation für Ihre Bildungswoche werden Sie dann endgültig bei uns erfahren.
Die Vorträge unserer sachkundigen Referenten, werden Sie mit vielen Bildern in die Hintergründe der Bestattungs- und Gedenkkultur einführen und damit auch auf die Ortstermine vorbereiten.
Das Seminar beschreibt den Beginn der mittelalterlichen Bestattungen im Stadtkern, führt über die Expansion der Friedhöfe, bis hin zu den heutigen Zentralfriedhöfen an den Stadtgrenzen Berlins. Vom Wandel der Bestattungskultur und deren Auswirkungen auf das Friedhofswesen erfahren Sie unter anderem bei einem Besuch des Krematoriums im Berliner Bezirk Wedding.
Ein Seminartag wird ganz im Zeichen des Zentralfriedhofes Stahnsdorf der Berlin-Brandenburgischen Kirche stehen. Mit der Anlage des zweitgrößten deutschen Parkfriedhofes begann auch in Berlin die Entwicklung dieser besonderen Friedhofskultur, der parkähnlichen Begräbnisplätze. Neben dem Friedhof Stahnsdorf werden wir Sie auf den Spuren der „Friedhofsbahn“ vom Bahnhof Halensee zum Südwest-Kirchhof führen.
Neben der religiösen Einstellung waren es auch politische Momente, die Auswirkungen auf die Bestattungskultur und das Friedhofsumfeld hatten. Im Nationalsozialismus und später während der Zeit der Deutschen Demokratischen Republik erhöhte sich die Akzeptanz der Feuerbestattung. Der geplante Umbau Berlins als nationalsozialistische Reichshauptstadt unter Albert Speer bedeutete zudem die Umbettung hunderter, teilweiser bedeutender Bestattungen aus Berlin-Schöneberg nach Stahnsdorf. Eine Führung über den Sankt Matthäus-Kirchhof wird Ihnen den Verlust deutlich zeigen.
Die Teilung Berlins, der Mauerbau mit Todesstreifen, bedeutete ebenfalls eine Zerstörung historischer Flächen. Die Besichtigung der Renaturierungs- und Restaurationsarbeiten auf dem Friedhof an der Liesenstraße zeigt auf, was mit dem Frontverlauf in Berlin 1945 und dem späteren Grenzkontrollweg, entlang der Mauer, für die Grabstätten dort folgen musste. Sie werden über einen speziellen Vortrag, durch die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, von der sozial- und baupolitischen Bedeutung des Friedhofswesens und den Einzelheiten der entsprechenden Landesgesetzgebung informiert.
Wir geben Ihnen einen Einblick in einige archäologische Grabungen, die gerade im Bereich der alten Stadtkerne von Cölln, Berlin oder Spandau getätigt wurden und die eine Sicht besonders auf die alten Friedhöfe unter der Stadt gewähren. Führungen über einige Kirchhöfe werden Ihnen einen Eindruck des künstlerischen Wertes der Grabstätten, die Modeerscheinungen vergangener Jahrhunderte und bemerkenswerte Biographien verstorbener Berliner geben. Erzählenswerte Anekdoten, zum Beispiel über die Meisterdiebe Gebrüder Sass, sollen dabei nicht zu kurz kommen.
Orte des Gedenkens sind ebenso viele Soldatenfriedhöfe, die nach den beiden Kriegen angelegt wurden und sterbliche Überreste oft von hunderten Menschen, auch aus verschiedenen Nationen bewahren. Angelegt in und um Berlin, auf dem Südwestkirchhof in Stahnsdorf, am großen Ehrenmal im Treptower und im Schönholzer Park, ebenso wie im Tiergarten, sind sie heute noch vorhanden und Sie werden einzelne dieser Orte besichtigen. Das Sowjetische Ehrenmal soll Ihnen einen Eindruck von den Verlusten der sowjetischen Armee und der häufig unterschlagenen polnischen Alliierten vermitteln und den Wandel des politischen Gedenkens aufzeigen. Ein zusätzlicher Rundgang durch das Unterwelten-Museum wird Ihnen die schwierige Arbeit des Volksbundes der Deutschen Kriegsgräberfürsorge nahe bringen, denn bis heute sind noch einige tausend der Soldatenschicksale zu klären.
Melden Sie sich für dieses Seminar über das Anmeldeformular an.
9. bis 13. September 2013 (5 Tage)
140,– €
Inwieweit Sie bei Ihrem Arbeitgeber Anspruch auf Bildungsurlaub geltend machen können, entnehmen Sie bitte unseren Anerkennungen nach den Bildungsgesetzen der Länder.
Grundlegendes und Wissenswertes zum Thema erfahren Sie in der Rubrik Bildungsurlaub.
20. Sep. 2011 - 09:37 Frankfurt am Main Deutschland1. Gaby Milia
Das Seminar "Mythos Friedhoefe" war sensationell.
Ich hatte nie erwartet soviel Neues zu diesem Thema zu erfahren. Das Angebot an Referenten und Begehungen war einmalig.
Ich werde hoffentlich demnaechst wieder an einem Eurer Seminare teilnehmen koennen. Danke!
18. Sep. 2010 - 17:10 2. Gerd Schimanski
Lieber Jürgen, lieber Ralf, vielen Dank für das super Interesante Seminar. Das habt Ihr wirklich klasse vorbereitet. Gespickt mit klasse Referenten und sehenswerten Objekten an verschiedennen Orten in und um Berlin war es wohl für jeden Teilnehmer eine Woche in der wir alle was gelernt haben.
Ich denke ein bessere und lebendigere Erwachsenbildung dieser Art findet man selten.
Nochmals vielen Dank und wir sehen uns wieder.
Gerd Schimanski
13. Jul. 2010 - 17:44 Berlin 3. Sarah Oßwald
Habe ein sehr großes Interesse am Thema, würde mich freuen, wenn Sie mich auf die Warteliste für das Seminar "Mythos Friedhöfe" setzen könnten.
MfG Sarah Oßwald
22. Sep. 2009 - 09:33 4. Schulz, Gabriele
Ich hatte die Gelegenheit, im Rahmen des gesetzlichen Bildungsurlaubes am 5tägigen Seminar "Mythos Friedhöfe" im September 2009 teilzunehmen. Der im wahrsten Sinne des Wortes Blick hinter die Kulissen war dabei für mich am interessantesten (Krematorium, Umbettungen, Funde Petri-Kirche). Die unterschiedlichen Fachexperten gestalteten ihre Vorträge und Berichte sehr anschaulich. Erwähnen möchte ich auch die sehr gute Organisation des Seminars durch die Berliner Unterwelten die Programmpunkte sind so aufeinander abgestimmt, dass keine Langeweile aufkam. Es hat mir so gut gefallen, dass ich im Oktober ein weiteres Seminar besuchen werde. Ich werde dann wieder im Gästebuch kurz berichten...