Vereinsmitglied Manfred Witt beim Reinigen der Waschbecken
Vitrine mit historischem OP-Besteck
Zugang zum Lüfter- und Filteranlage
Hier wurde lange nicht sauber gemacht
Seit dem Winterhalbjahr 2005/2006 hat der OP-Bunker einen eigenen Anlagen-Betreuer. Der Vereinskollege Manfred Witt erklärte sich bereit, hier „nach dem Rechten“ zu sehen. Wenn es nachweislich auch kein „Bunkergespenst“ in der Anlage gibt, ein „Putzteufel“ scheint sich hier jedenfalls herumzutreiben. Hier der Bericht von Manfred Witt:
Mit dem Operationsbunker Teichstraße haben wir ein neues Schmuckstück in unsere Sammlung aufgenommen. Versteckt hinter Bäumen, Büschen und von Efeu überwuchert – so dämmerte er fast 60 Jahre auf dem Gelände des ehemaligen Humboldt-Krankenhauses vor sich hin.
Wenn bei den Luftangriffen auf Berlin die Bomben fielen, wurde hier operiert, und Mütter brachten auch hier ihre Kinder auf die Welt. Auch ich habe in so einem Ding, hinter dickem Beton verborgen, das Licht der Welt erblickt. Genau genommen am 26. Februar 1944 im Bunker der Charité. So hatte es mir meine Mutter jedenfalls erzählt.
Nach dem Krieg geriet der Teichstraßen-Bunker erst einmal in Vergessenheit. Ab 1958 nutzte man den Bunker als Ausnüchterungsort für eingelieferte Betrunkene. Als das Humboldt-Krankenhaus dann in einen Neubau zum Nordgraben umgezogen war, wurden hier Bettgestelle und Matratzen für Katastrophenfälle eingelagert. Am 9. Dezember 2004 war es dann vorbei mit dem Dornröschenschlaf.
Im Rahmen einer groß angelegten Aktion wurde der Bunker in seinen heutigen Zustand versetzt. Berge von Müll und Schutt mußten beseitigt werden. Die härteste Nuß war das Dach. Eine mehrere Meter dicke Pflanzenschicht hatte sich auf dem Dach gebildet – es war fast wie in einem kleinen Wald dort oben. Zahlreiche Frostschäden hatten auch zu Wasserschäden geführt. Nun ist erstmal wieder Stille eingekehrt. Das Kratzen und Scharren der Schippen und Spaten und das Brausen der Propangas-Brenner auf dem Dach ist verstummt. Es herrscht jetzt wieder Ruhe. Man könnte sogar fast meinen: eine fast unheimliche Ruhe.
Ach so, bevor ich es vergesse: ich bin jetzt sozusagen ein Pate dieses Bunkers. Ich kümmere mich um meinen Schützling und schaue dort regelmäßig nach dem Rechten.
An einem stürmischen und verregneten Februartag geschah es dann. Ich hatte alle Bunkertüren hinter mir verschlossen, damit sich nicht unbemerkt ein ungebetener Gast in den Bunker schleichen kann. Ich fing an, die Bodenfliesen vom Operationssaal zu schrubben.
Plötzlich hörte ich ein komisches Geräusch. Ich hielt einen Moment inne, um zu horchen, aber es tat sich nichts.
Unbekümmert schrubbte ich meinen Boden weiter. Und plötzlich: da war es wieder, dieses Geräusch.
Es hörte sich an wie ein leises Stöhnen und Seufzen. Mein lieber Mann! Ich bekam eine richtige Gänsehaut! Ich glaube bestimmt nicht an irgendwelchen Hokuspokus. Aber in diesem Moment wurde es mir irgendwie unheimlich. Plötzlich, wie aus heiterem Himmel, fing ein sich in der Lautstärke ständig steigerndes Heulen und Fauchen an.
Oh mein Gott, dachte ich, sind das vielleicht die Seelen derjenigen Menschen, die hier während des Krieges auf den Operationstischen ihr Leben ausgehaucht haben?
Etwas später fand ich dann des Rätsels Lösung. Der Sturmwind hatte oben auf dem Dach die Entlüftungsrohre wie Orgelpfeifen ertönen lassen. Ich bin dann wieder an meine Arbeit gegangen. Insgeheim hatte ich aber auch gedacht: Schade eigentlich, so ein richtiges, kleines Bunkergespenst, das wäre doch gar nicht so übel, oder?