Facebook Twitter RSS Login Sprachen
Schriftgröße
Kontrast

Schnellsuche

Insel Römö Bunkeranlagen in Dänemark

Die Insel Römö liegt ca. 5 km nördlich von Sylt und gehört zum dänischen Königreich. Über einen 10 km langen Damm kann man vom dänischen Festland auf die überaus schöne Insel gelangen, eine Anreise über Sylt ist ebenfalls via Fährverbindung ganzjährig möglich. Der Strand Römö's zählt zu den breitesten und feinsten Stränden Europas und wer wagemutig ist, kann mit seinem PKW direkt an (und in) die Nordsee fahren. Die Landschaft zeichnet sich durch eine ausgeprägte Heidelandschaft aus und ist für romantische Wanderungen prädestiniert. 90% der Insel bestehen aus reiner Natur. Auf Römö leben dauerhaft ca. 1000 Einwohner, doch während eines Jahres wird die Insel von ca. 1 Mio Menschen betreten bzw. befahren.

Während des 2. Weltkrieges wurden auf Römö ca. 52 Bunker angelegt. Diese Anlagen gehören zum Atlantik-Wall und waren laut Fremdenführer eines der ruhigsten Gebiete des 2. Weltkrieges. Nur ein direkt mit dem Kriege zusammenhängendes Todesopfer soll es auf Römö gegeben haben, ein deutscher Offizier (den man Verkauf von deutschen Waffen nachgewiesen hatte) wurde hingerichtet. Noch heute befindet sich ein Übungsgelände für die dänische Luftwaffe auf der Insel.

Wenn man mit dem PKW über den Damm auf die Insel gelangt, kommt man an eine Kreuzung – links herum gelangt der Besucher zum Touristbüro/Naturcenter (ca. 800m), oder man folgt der Strasse und gelangt in einen kleinen Wald. Dieser Wald wurde künstlich angelegt, und dem geschulten Auge werden gleich links und rechts einige Bunkerbauwerke auffallen. Wir befinden uns in der Tvismark-Plantage. Die Bunker wurden nach dem Krieg entkernt, teilweise gesprengt und mit Sand bedeckt (nach dem Motto: aus den Augen, aus dem Sinn). In den vergangenen Jahren hat die Dänische Regierung erkannt, dass man die Bunker für touristische Zwecke nutzen kann, und seitdem sind einige Bunker wieder für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht worden. Möchte man die Bunker besichtigen, fährt man zurück in das Touristenbüro/Naturcenter und erkundigt sich, wann eine Führung stattfindet. In der Saison sind in jeder Woche Führungen, außerhalb der Saison kann man für ca. 75,- € einen deutschsprachigen Fremdenführer buchen, der dann in einer ca. 3 Stunden langen Tour die verschiedenen Bunker in der Tvismark-Plantage öffnet/zeigt. Ich habe die Insel im März 2001 besichtigt, so wie vor ca. 10 Jahren. Von dieser Reise konnte ich mich noch an Bunker in diesem Waldstück erinnern, die weder in der Karte noch bei der Führung auftauchten – der Eingang brauchte damals nur ein wenig freigegraben werden und schon konnte man in das Bunkerinnere gelangen. Auch einige in dem Waldstück gut sichtbare kleine Bauwerke (am Fuße eines Hügels, quadratische Form – ähnlich eines kleinen Vorzimmers, 2 Eingänge) können keinem bekannten Bunker zugeordnet werden. Weiterhin lassen schnurgerade Dünen und unnatürliche Hügel auf weitere Bunker schließen.

Zurück zur Tour – auf diesem Inselrundgang durchwandert man das Waldstück und bekommt verschiedene Bunker gezeigt/erklärt und kann auch ca. fünf von ihnen besichtigen. Für die Tour sollte man natürlich sich mit Taschenlampen bewaffnen und nicht seine beste Hose anziehen, da es in einigen Bunker nur "auf allen Vieren" vorwärts geht.

Welche Einheiten waren auf Römö stationiert?
Auf Römö waren mehrere Radaranlagen installiert (unter anderem vom Typ Mammut, See-Elefant und Freya); im benannten Waldstück stand eine "Mammut"- sowie die "See-Elefant"-Radaranlage, mit deren Hilfe man ca. 300 km weit "schauen" konnte. Diese Radaranlagen wurden zur Aufklärung des Luftraums benutzt und zählten damals zu den fortschrittlichsten Anlagen ihrer Art. Die Bunker waren untereinander mit Tunnel oder via Laufgräben (die noch sehr gut sichtbar sind) miteinander verbunden. Als erstes besichtigt der heutige Besucher den sogenannten "Mammutbunker" (einen der größten Bunker in Süd-Jütland). In diesem Bunker wurden die Radarsignale ausgewertet. Mehrere Räume sind problemlos begehbar, weitere Räume stehen unter Wasser. Leider konnte man bei meiner Visite nicht tiefer in den Bunker vordringen – ich vermute, dass dort die Tunnel zu den weiterhin verschütteten Bunkern beginnen. Nach der Besichtigung geht es weiter in den Wald, vorbei an 2 Flakstellungen sowie an einigen Aussichtsbunkern. Diese Bunker sind während der Führung nur von außen zu besichtigen. Letztendlich gelangt man zu einem weiteren Bunker, wo man erfährt, dass hier einmal Munition sowie Wagen untergebracht worden waren. Jetzt hat man das Waldstück an der rechten Straßenseite besichtigt und erkundet die linke Straßenseite, dort kann man via Notausgang in das Bunkerinnere zweier Bunker gelangen. Gezeigt wird eine Flakstellung sowie zwei Mannschaftsbunker. Beide haben unterirdisch nur einige kleinere Räume und sind vollständig entkernt. Beim Ausblick von der Flakstellung kann man noch weitere Bunker im Hinterland erkennen, die man aber während der Führung leider nicht besichtigt. Am Ende der Inseltour geht es zurück in das Touristenbüro, und man bekommt noch einige Dias zum Thema gezeigt.

Jetzt, nach Beendigung der Führung, kann man sich – frei vom Gruppenzwang – wieder zurück auf den Weg in das Waldstück machen, um sich die Bunker, die noch nicht erkundet worden sind, selbst anzusehen. Wenn man das Waldstück ausgiebig genug inspiziert hat, fährt man die Straße, vom Damm kommend, weiter Richtung Nordsee/Strand und gelangt in den Ort Lakolk, wo weitere Bunker zu finden sind. Einige wurden in Haus-Neubauten integriert, ein Aussichtsbunker ist frei begehbar und gibt einen Eindruck davon, wie eine Observation des Strandabschnitts zu Kriegszeiten erfolgt sein muss. Dem geschulten Auge fallen beim Blick über die Dünen weitere Bunker auf, die aber allesamt mit Sand zugedeckt und von denen nur an einzelnen Stellen die Deckenplatten zu erkennen sind. Auch in Lakolk waren Radarstellungen stationiert.

Zu den offiziellen Bunkern aus dem Waldstück (15) sowie den ca. zehn weiteren in Lakolk müssen also noch 25 weitere auf der Insel verstreut liegende Objekte gezählt werden. Noch ein weiteres verdächtiges künstliches Waldstück befindet sich auf der Insel, welches ich aber leider während meines Aufenthalts auf dieser Nordseeinsel nicht mehr habe besichtigen können.

Im großen und ganzen ist Römö für einen Familienurlaub prädestiniert – die Bunkerfans in der Familie können ihrem Hobby nachgehen, und die anderen Familienmitglieder gehen wandern und genießen einfach die wunderschöne Landschaft. Wenn man schon mal auf Römö Urlaub macht, kann man auf dem dänischen Festland auf der Rückreise noch einen kleinen Bunker aus dem ersten Weltkrieg besichtigen.

Reiseland 

Dänemark

Nähere Infos 

Tourist-Büro Römö | Havnebyvej 30, Tvismark | DK 6792 Römö | Telefon +45 74755130 | Telefax +45 74755031

Autor: Martin KauleStand: 05.05.07 Seitenanfang