„Erinnerung, manche löscht sogar die Zeit nicht aus – das Gedächtnis hält diese fest. Ich würde gerne alles vergessen, aber zu vergessen ist es unmöglich …“
Im Zweiten Weltkrieg mangelte es der deutschen Industrie an Arbeitskräften. Um dies zu beheben, wurden aus den von der Wehrmacht besetzten Gebieten fast sieben Millionen Menschen nach Deutschland verschleppt und zur Zwangsarbeit gezwungen. Mit dieser Arbeit konnte während des Krieges die Produktion aufrechterhalten werden, während die Firmen von den billigen Arbeitskräften profitierten.
Die Behandlung der Zwangsarbeiter war durch die Rassenideologie der Nationalsozialisten geprägt. Danach waren Westeuropäer, unter anderem Franzosen und Belgier, die zur Zwangsarbeit verschleppt wurden, generell besser zu behandeln als Osteuropäer. Am schlimmsten traf es die sogenannten „Ost-Arbeiter“, so die offizielle Bezeichnung der aus den besetzten Gebieten der Sowjetunion Verschleppten. Unter unmenschlichen Bedingungen mussten sie jahrelang in Deutschland arbeiten. Viele von ihnen waren noch Kinder und Jugendliche.
„Es war den Deutschen doch sowieso egal, wer wir waren, woher wir kamen, was unsere Eltern machten, und was wohl unsere Eltern jetzt, ohne uns durchmachten …“
Gerade für die Ost-Arbeiter war das Martyrium mit dem Ende des Krieges noch nicht vorbei. In der stalinistischen Sowjetunion wurde diesen Menschen Kollaboration mit den Nazis vorgeworfen, denn sie hatten in den Fabriken des Feindes gearbeitet. So wurden sie auch bei ihrer Rückkehr in der Heimat verfolgt, viele von ihnen in den GULAG geschickt. Heute leben etwa in der Ukraine noch etwa 600.000 ehemalige Zwangsarbeiter – viele von ihnen wegen der schwierigen wirtschaftlichen Lage in der Ukraine in bitterer Armut. Viele von Ihnen sind – infolge der Zwangsarbeit in Deutschland – schwer krank geworden und haben weder Kinder noch Familie.
Es werden jedes Jahr weniger.
Die mit der Einrichtung der Stiftung „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“ entstandene Diskussion um die Entschädigung der Zwangsarbeiter durch die deutsche Industrie brachte diesen Menschen erstmals die erhoffte und dringend notwendige Anerkennung ihres Leides. Leider ist diese Diskussion – zumindest in den Medien und der Öffentlichkeit – mit Auszahlung der ersten Rate wieder zum Erliegen gekommen.
„Wir wurden den sowjetischen Soldaten übergeben, und damit dem neuen Schrecken. Es folgten grauenhafte und demütigende Verhöre durch das NKWD. Beschimpfungen jeglicher Art …“
Zitate aus: Erinnerungen von Soja Iwanowa Kriwitsch, OST-Arbeiterin in der Pulverfabrik Schönebeck