Facebook Twitter RSS Login Sprachen
Schriftgröße
Kontrast

Literaturtipps

Tagesübersicht
Touren und Veranstaltungen

« Februar 2012 »
Mo Di Mi Do Fr Sa So
30 31 1
7 8
14 15
21 22
28 29 1 2 3 4

Wochenübersicht
Touren

  2012  
Kalenderwochen
12345
2021

Schnellsuche

Geheimnisse im Stuttgarter Untergrund Die Luftschutzstollen in Stuttgart aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs

Immer mehr Städte in Deutschland entdecken den Wert ihres unterirdischen urbanen Raumes. So auch die Schwabenmetropole Stuttgart, wo es seit dem 23. Juni 2006 den Verein „Schutzbauten Stuttgart“ gibt (Rolf Zielfleisch, der Autor des vorliegenden Bildbandes, ist dessen Vorsitzender), der sich vorrangig um Schutzbauwerke, Mehrzweckanlagen, Hoch- und Tiefbunker und Stollen in der Region kümmert, um Bauwerke also, die Zeugnisse und Hinterlassenschaften des Zweiten Welt- und des Kalten Krieges sind.

Insgesamt verfügt die Stadt heute noch über 66.430 aktive Schutzplätze. Das reicht das immerhin aus, 11,5 % der Bevölkerung zu schützen (zum Vergleich: in Berlin ist das nur für 0,8 % der Fall!). Regelmäßig werden vom „Schutzbauten Stuttgart e.V.“ Führungen in zwei Schutzbauwerken (einem Winkelturm und einem Spitzbunker) im Stadtteil Feuerbach durchgeführt. Dort gibt es auch Ausstellungen über die Geschichte des Kalten Krieges und – in einer stillgelegten Fußgängerunterführung – eine Technikausstellung.

Auch die Schwabenmetropole wurde beträchtlich von den Auswirkungen des Zweiten Weltkriegs in Mitleidenschaft gezogen, wie Zielfleisch in seinen einleitenden Bemerkungen schreibt: „4590 Menschen (davon 770 Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene) verloren in Stuttgart durch die 53 Luftangriffe, welche die Stadt über sich ergehen lassen musste, ihr Leben. 8908 Personen wurden verletzt. 39125 Gebäude, wovon 32549 Wohnhäuser waren, wurden zerstört. Diese Zerstörung wurde 21246 Tonnen Bomben der Alliierten erreicht, welche Stuttgart in Schutt und Asche legten. Der Zerstörungsgrad des Baubestands betrug 68 Prozent.“ (S. 6).

Das sind beachtliche, bedrückende Zahlen – und dahinter verbirgt sich eine Geschichte, die Zielfleisch vor allem am Beispiel der etwa 300 Stollen im Untergrund Stuttgarts beschreibt. Hoch- und Tiefbunker gibt es hier natürlich auch; sie stehen aber nicht im Mittelpunkt der Darstellung. Er betrachtet diese in die Berge eingegrabenen Stollen als „Höhlen in unseren Städten, von denen die meisten nicht einmal etwas ahnen. Höhlen haben in unserer Vorstellung etwas Archaisches, einem großen Loch in der Erde ohne Fenster und Türen, der Witterung und nach Löschen des Feuers der Kälte ausgesetzt. Der Bezug zur Frühzeit der Menschen wird damit in Verbindung gebracht.“ (S. 5)

Das Buch ist in mehrere Kapitel unterteilt: „Stollenbauarten“ (für Stuttgart werden dreizehn verschiedene Typen, von den sogenannten Deutschen Türstöcken bis hin zu Flucht- und Rettungsstollen kategorisiert), „Ausstattung der Stollen“ (man beachte, dass auch so manche Utensilien aus Berlin, so die Torfstreu-Trockenklosetts „Metroclo“ der Firma Gefinal oder OB-Tischfernsprecher von Siemens & Halske ihren Weg an den Neckar gefunden haben), „Künstlerisches beim Stollenbau“ sowie „Stollenbeschreibungen“ (darunter so manches unterirdisches Objekt unterhalb der Straßenoberfläche, von denen die meisten Stuttgarter wohl nicht wissen dürften, dass es diese Bauwerke überhaupt gibt).

Kurz wird auf die Nachkriegsentwicklung eingegangen. Auch in Stuttgart wurde gemäß der Alliierten Direktiven durch die Amerikanischen Besatzungstruppen gesprengt, wobei durch unsachgemäße bzw. übermäßige Handhabung der Sprengungen sehr viel Schaden entstanden ist. Die verfüllten Stollen gerieten lange Zeit in Vergessenheit. Aber der reichlich bebilderte Band, wo teilweile historische mit aktuellen Fotos konfrontiert werden, zeigt, daß dieses Erbe des Krieges noch heute die Menschen beschäftigt. „Der Fantasie eines jeden einzelnen bleibt es überlasssen, sich Entwicklungen anhand der Bilder auszumalen. Die Thematik und die Problematik der Stollen werden uns auch die nächsten Jahrzehnte beschäftigen.“ (S. 115)

Enden tut dieser handliche Bildband mit den Erfahrungen einer Zeitzeugin beim Bau eines Pionierstollens im Jahre 1944. Rolf Zielfleisch hat auch noch zwei weitere Dokumentationen über Stuttgarter Bunker und den Zivilschutz für die Bevölkerung vorgelegt, für die in diesem Bildband ebenfalls geworben wird.

Titelinfo 

Autor: Rolf Zielfleisch
Verlag: Stuttgart, Typoform 2008
ISBN: 3-939502-10-3
Preis: 25 €

Verfügbarkeit 

Dieses Buch ist nicht bei uns erhältlich.

Autor: Ingmar ArnoldStand: 27.06.11 Seitenanfang