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Fußgängertunnel Schwartzkopffstraße

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Fußgängertunnel unter der Mauer

Dieser Tunnel wäre heute sicher ein ideales Verbindungsstück zwischen den beiden benachbarten Stadtteilen Mitte und Wedding, wäre es nicht zur Spaltung der Stadt gekommen. Herabhängende Signaldrähte zeugen noch von dieser Zeit der Teilung. Aber selbst Grenzüberschreitungen schienen an diesem Orte, eine Zeitlang jedenfalls, möglich zu sein. An den Wänden finden sich die Hinweise „Demokratischer Sektor – Ende“ mit Pfeil zur Gartenstraße und „Demokratischer Sektor – Anfang“ mit Pfeil zur Schwartzkopffstraße. Was beweist, daß der Tunnel in seiner Gänze noch auf Ost-Berliner Gebiet lag. Ansonsten hätten diese Beschilderungen ja auch keinen Sinn gemacht. Auf der nördlichen Mauerseite können sogar noch Einschussspuren aus den letzten Kriegstagen ausgemacht werden.

Bereits neun Jahre vor Bau der Mauer wurde der Tunnel geschlossen, wie in der Nacht-Depesche 218/3 vom 19. September 1952 berichtet wurde. Nach dem 13. August 1961 sicherte man das Bauwerk von der Ostseite her mit zusätzlichen Sperren und Vermauerungen, da es im unmittelbaren Grenzgebiet lag. Bis heute ist der Tunnel wegen des schlechten Bauzustandes geschlossen und deshalb auch weitgehend in Vergessenheit geraten. Beim Umbau des Stettiner Fernbahnhofs mit Errichtung eines großen Kopfbahnhofes in den Jahren 1872–1876 wurde anstelle der einst direkt bis zur Gartenstraße durchgehenden Schwartzkopffstraße ein etwa 180 m langer Fußgängertunnel unter den Fernbahngleisen angelegt. Am nördlichen Kopf des S-Bahnhofs wurde ein Gepäcktunnel mit je einem Aufzug am Bahnsteigende eingebaut, der den S-Bahnhof mit den Anlagen des Fernbahnhofs als auch mit dem neuen Postamt in der Invalidenstraße, westlich des Fernbahnhofs verband. Dieser Verbindungstunnel ist im Gegensatz zu dem abgebrochenen Fernbahnhof heute noch unterirdisch vorhanden, jedoch gesperrt und nicht öffentlich zugänglich. (Stand 2005) Der Fußgängertunnel mußte 1934–1935 beim Bau des Nord-Süd-Tunnels der S-Bahn aufwendig unterfahren werden. Nahe des Stettiner Bahnhofs wurde zugleich mit Bau des S-Bahn-Schachtes auf der Tunnelanlage das sogenannte Reichsbahnämterhaus mit einem Luftschutzbunker im Keller errichtet. Die Kelleranlagen verfügen über einen direkten Zugang zum Nord-Süd-Tunnel.

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Heute fast vergessen

Noch heute präsentiert sich der circa drei Meter hohe und vier Meter breite Tunnel mit seinen Originallampen und einer feinsäuberlichen Nummerierung an der Decke. Nach 30 Metern, vom Tunneleingang an der Schwartzkopffstraße aus gesehen, führen 14 Stufen auf ein kleines Podest und damit über den sich darunter befindlichen S-Bahntunnel hinweg. An dieser Stelle hat der Tunnel denn auch seine geringste Erdüberdeckung von etwa 1,50 Metern, sonst sind es in der Regel 2,20 Meter. Eine mit Beton ausgegossene Stelle der Tunneldecke erinnert an einen Schaden, der während einer der ersten Luftangriffe auf Berlin am 3. November 1940 entstanden ist. Dabei gab es 18 Verschüttete unter den Schutzsuchenden im Tunnel. Acht von ihnen starben sofort durch herabstürzende Trümmer, zwei Personen erlagen später in der Charité ihren schweren Verletzungen.

Der Schriftzug „Kulturhaus“ ist keineswegs ein Relikt aus der Zeit des Kalten Kriegs, wie man annehmen könnte, sondern er weist noch auf den Zugang zu den Kelleranlagen des bereits zu Kriegszeiten existierenden und damals ausgebombten Kulturhauses hin. Während der S-Bahnhof Nordbahnhof und das Empfangsgebäude des Stettiner Vorortbahnhofes als Denkmale in die Liste schützenswerter Bauwerke Berlins eingetragen sind, bewahren nur die auffälligen Portale in der Gartenstraße, auf der Weddinger Seite, den Fußgängertunnel vor dem Vergessen.

Fakten 

Erbaut: 1872–1876, vermauert 1952, westlicher Teil in den 1990er Jahren abgebrochen
Ausdehnung: Länge 180 m, Breite 4 m, Höhe 3 m
Nutzungszweck: Fußgängerunterführung
Zustand: zu 80 Prozent intakt, seit 2008 wieder zugänglich über die Gedenkstätte Berliner Mauer

Autor: Jürgen Müller, Dietmar ArnoldStand: 23.01.10 Seitenanfang