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Feuchtes Forschungsgebiet Berliner Abendblatt, Ausgabe Neukölln vom 17. April 2010

Berliner Abendblatt

Berliner Unterwelten führen jetzt auch durch die Keller der Kindl-Brauerei

Auszug aus dem Artikel: „Mit dem Verein ‚Berliner Unterwelten‘ haben schon viele Leute Bauwerke kennengelernt, in die man normalerweise nicht hineinkommt. Das Interesse der Unterweltler ist aber nicht auf die in unserer Stadt so zahlreich vertretenen Bunker, Abwasserkanäle oder Verkehrsanlagen beschränkt, es gibt auch andere Ziele, bei denen sich ein Besuch lohnt: Ab dem heutigen 17. April bietet die ‚Gesellschaft zur Erforschung und Dokumentation unterirdischer Bauten‘ regelmäßig Führungen durch das erstaunlich unterkellerte Kindl-Areal an.

‚Brauereien als Pioniere des Berliner Untergrundes‘ heißt die Tour, die ab jetzt immer sonnabends um 16 Uhr stattfinden soll. Man lernt dabei das historische und denkmalgeschützte Sudhaus und andere Bereiche der ehemaligen Kindl-Brauerei kennen, wobei natürlich auf die Tiefkeller besonderer Wert gelegt wird.

Und die sind baugeschichtlich durchaus interessant, schließlich waren die Brauereien sozusagen die Pioniere des Untergrundes in Berlin – sie waren die Ersten, die ihn baulich nutzten. Als die Stadt in der Gründerzeit rapide wuchs, wurde auch das untergärige Bier immer populärer, und für dessen Herstellung brauchte es großer Lager und Gärkeller. Diese wurden tief in den Berliner Boden getrieben und waren im 19. Jahrhundert die größten unterirdischen Bauwerke.

Da in der Stadtmitte der Grundwasserspiegel sehr hoch liegt, siedelten sich damals viele Brauereien vor den Toren der Stadt an, zum Beispiel auf den Rixberger Rollbergen – hier konnte man tiefe Kelleranlagen errichten. Am damaligen Windmühlenberg im heutigen Prenzlauer Berg und am Kreuzberg wuchsen die Brauereien wie Pilze aus dem Berliner Boden.

Bier gebraut wird in den historischen Kellern nicht mehr – höchstens noch getrunken, wenn sie denn noch stehen. Viele Stellen, an denen man noch in die Brauereigeschichte Berlins abtauchen kann, gibt es aber nicht mehr.

Auf dem Geländer der Kindl-Brauerei wird bei der Führung zur Einführung ein kleiner Bildervortrag gezeigt, dann geht es in das denkmalgeschützte Sudhaus mit seinen imposanten Kupfersudwerk und schließlich folgt der Abstieg in die Tiefen der ehemaligen Lagerkeller. Zum Abschluss der historischen Forschungstour kann man noch kennenlernen, wie heutzutage Bier entsteht: Unter dem alten Sudhaus braut seit Oktober 2009 die Privatbrauerei ‚Am Rollberg‘ verschiedene Bierspezialitäten. Nach der Führung kann man noch ein frisch gezapftes ‚Rollberger‘ probieren.

Für die Führung, an der nur Personen ab 18 Jahren teilnehmen können, sollte man sich feste Schuhe und warme Sachen anziehen und eine Taschenlampe mitzubringen ist Bedingung. Die Führungen laufen voraussichtlich bis zum Jahresende immer sonnabends um 16 Uhr, dauern etwa anderthalb Stunden und kosten 9 Euro. Karten gibt es ab etwa 15 Minuten vor Beginn der Führung vor Ort, Vorbestellung, Reservierung oder Vorverkauf sind nicht möglich. Treffpunkt ist am Sudhausturm auf dem Hof des ehemaligen Kindl-Brauereigeländes in der Werbellinstraße 50.“

Autor 

Bernhard Michalsky

Anmerkung 

Die Premiere der Tour K „Kindl-Areal Neukölln – Brauereien als Pioniere des Berliner Untergrundes“ fand erstmalig statt am 17. April 2010.