Facebook Twitter RSS Login Sprachen
Schriftgröße
Kontrast

Tagesübersicht
Touren und Veranstaltungen

« Mai 2012 »
Mo Di Mi Do Fr Sa So
30
1 2 3

Wochenübersicht
Touren

  2012  
Kalenderwochen
151617181920
35

Schnellsuche

Feind wirft Brandbomben! Wir werden damit fertig! (Reprint)

Als diese Propagandaschrift 1943 erschien und an die Volksgemeinschaft appellierte, daß es nun auf jeden ankomme, war bereits für den überwiegenden Teil der Bevölkerung deutlich geworden, daß man mit dem Luftkrieg und den entfachten Riesenbränden nicht mehr fertig wurde. Das Löschen von Brandbomben war den meisten Stadtbewohnern nicht mehr möglich, denn jeder suchte bei Fliegeralarm die Luftschutzanlagen auf und niemand verspürte Lust, zu diesem Zeitpunkt – nur mit Helm und Schaufel bewaffnet – die Stabbrandbomben vom Dachstuhl des eigenen Wohnhauses auf die Straße zu werfen, zumal diese nun zusätzlich mit gefährlichen Sprengsätzen ausgerüstet waren.

Die Royal Air Force entwickelte seit 1942 ihre „Bombencocktails“, also den Mix von Sprengbomben und Luftminen einerseits sowie Brand- bzw. Phosphorbomben andererseits, mit dem Ziel des größt möglichen Zerstörungspotentials. Klimatische Bedingungen, Rohstofflager sowie die Art der Bebauung wurden dabei in Rechnung gestellt. Zuerst wurden die schweren Luftminen, 4000 lbs – Cookies (Plätzchen) genannt – abgeworfen. Der Luftdruck der dünnwandigen Sprengkörper ließ die Dächer der Wohnhäuser fortfliegen, in die nun zehn-, ja hunderttausende von Brandbomben hineinregnen konnten. Alle Komponenten trafen bei den Gomorrha-Angriffen auf Hamburg Ende Juli Anfang August 1943 zusammen – mit der fatalen Folge, daß in der Nacht zum 29. Juli über 36.000 Menschen verbrannten, darunter die Großeltern mütterlicherseits des Verfassers dieses Textes.

Gegen die Feuersbrünste der durch die Brandbomben entfachten Großbrände war nichts mehr zu machen. Nur Resignation blieb übrig. Der spätere Chef der Berufsfeuerwehr von Hannover, Rudolf Joop, war während des Krieges bei Chef der Feuerschutzpolizei in Berlin-Schöneberg. Es gab Brände, so Joop, die nicht zu bewältigen waren und unsere Aufgaben, die Brandgebiete „schwarz“ zu machen, erledigten oft die Flammen selbst.

Eine Frage bleibt – und sie wird in Großbritannien zunehmend kontrovers diskutiert: darf die Vernichtung der Zivilbevölkerung einer feindlichen Nation als Kriegsziel legitimiert werden? Apologeten dieser Haltung führen aus, daß nur der Bombenkrieg gegen die deutschen Städte technisch wie politisch eine adäquate Reaktion der westlichen Alliierten sein konnten, eine Art „Schuldbegleichung“ im wahrsten Sinn des Wortes, doch auch die Alliierten waren durch unterzeichnete Verträge gebunden. Bereits 1943 hatte der Erzbischof von Canterbury und Abgeordnete des Parlaments die Frage gestellt, ob man mit diesen Luftangriffen nicht den Terrormethoden der Nazis unbotmäßig nahe kommen würde und die Mittel keineswegs den Zweck heiligen könnten. Diese Diskussion entbrannte erneut mit der Enthüllung des Denkmals von Sir Arthur Harris, Chef des britischen Bombercommands, der sich als ausführender Befehlshaber von den Politikern im Stich gelassen sah und nach Kriegsende verbittert nach Südafrika ging.

Eines indes dürfte allen Menschen klar sein, nicht zuletzt angesichts der zahllosen Kriege der Nachkriegszeit: Der beste Luftschutz ist Frieden. Und der wird durch Respekt, Verständnis und Freundschaft zwischen den Völkern gewährleistet.

Titelinfo 

Erschienen in: Edition Berliner Unterwelten
Preis: 5,– €

Verfügbarkeit 

Auflage ist derzeit leider vergriffen.

Stand: 05.10.11 Seitenanfang