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Die Einmann-Bunker aus Frohnau Geschichte(n) ausgewählter Exponate

Im Frühjahr 1999 entdeckten Mitglieder des Vereins eine Zeitungsanzeige aus der hervorging, daß zwei Einmann-Bunker verschenkt werden sollten. Da zu diesem Zeitpunkt am U-Bahnhof Gesundbrunnen noch keine geeigneten Hinweise auf unsere Vereinsaktivitäten vorhanden waren, entstand die Idee, beide Bunker vor dem Südzugang des U-Bahnhofs zu platzieren. Dazu sollte noch eine Informationstafel angebracht werden. Die Kontaktaufnahme mit den Eigentümern, einer Familie aus Berlin-Frohnau, ergab, daß die Einmann-Bunker von uns auf eigene Kosten abgeholt werden könnten. Allerdings sollten wir uns beeilen, da es weitere Interessenten gab. Kurzerhand wurde von der Firma Karl Altendorff ein Lkw mit Kran angemietet, um die Bunker aufzuladen. Dies war, wie sich bald herausstellen sollte, keine leichte Aufgabe. Zuvor mußte die Grundstückseinfahrt vermessen werden, um sicherzustellen, daß der Kranwagen diese Engstelle passieren kann. Armdicke Bohlen, mit denen der Weg durch den Garten belegt wurde, sollten zudem ein Einsinken des beladenen Lkw's verhindern.

Schwierigkeiten bereitete auch das Ausgraben und Freilegen der Bunker. Diese steckten nicht einfach nur in der Erde, sondern waren obendrein in einer dicken Schicht aus Stampfbeton verankert. Beim Herausziehen der Einmann-Bunker, deren Gewicht mitsamt dem Stampfbetonring bei etwa 3,8 Tonnen lag, gaben die Holzbohlen unter der Stützhydraulik des Kranwagens, der dabei tief in den weichen Gartenboden einsackte, nach und brachen mit lautem Krach entzwei. Aber nach einem Ruck konnte jeder Bunker losgelöst werden. Nachdem beide Bunker endlich aufgeladen waren, mußten sie noch ordentlich festgezurrt werden, damit sie während der Fahrt nicht herabstürzen. Beim Durchfahren der Grundstückseinfahrt sackte der Kranwagen, dessen Gewicht sich nun fast verdoppelt hatte, fast 10 cm tief ein und hinterließen zwei breite Spurrillen. Die Familie war trotzdem sichtlich froh, beide Betonungetüme loszuwerden.

Bis zur Erteilung einer Standgenehmigung durften beide Einmann-Bunker auf dem Gelände des Gartenbauamtes Wedding zwischengelagert werden. Ihre Aufstellung am heutigen Standort erfolgte im Juli 2000.

Aus dem Raum Berlin sind uns fünf verschiedene Typen von Einmann-Bunkern bekannt. Die hier aufgestellten "Exemplare" dürften zu den letzten ihrer Bauart zählen. Sie haben eine Höhe von 2,20 Meter, einen Außendurchmesser von 1,20 Metern. Die Wandstärke aus Schleuder-Stahlbeton beträgt 15 cm, das Gewicht rund 2,8 Tonnen. Einmann-Bunker fanden im Zweiten Weltkrieg vor allem als Schutz für Brandwachen in Industriearealen Verwendung und konnten nur durch einen Volltreffer zerstört werden.

Autor: Dietmar Arnold und André KnornStand: 05.07.07 Seitenanfang