12,8 cm Flakzwilling 40 auf dem G-Turm Humboldthain
Modell eines Flak-Zwilling 40 mit Zünderstellmaschinen und Verschlüssen (M 1:35)
Ein Praktikant des Berliner Unterwelten e.V. machte bei einem Aufenthalt in den USA eine überraschende Entdeckung. Auf einem Militärareal bei Aberdeen im Bundesstaat Maryland befindet sich eine Freiluftausstellung mit deutscher Waffentechnik aus dem Zweiten Weltkrieg. Bei einem der Exponate handelt es sich – soweit bekannt – um die letzte erhaltene 12,8 cm Zwillingsflak. Diese Hochleistungsgeschütze waren auf den Flaktürmen in Berlin, Hamburg und Wien eingesetzt und ausschließlich für den Einsatz auf ortsfesten Sockeln konzipiert.
Nach einer Zusammenstellung des Gerneral-Quartiermeisters, im Generalstab der Luftwaffe, waren im Februar 1945 insgesamt 38 Geschütze, 12,8 cm Flak-Zwilling 40 auf ortsfesten Bettungen aufgestellt. Wenn man von insgesamt 8 Flaktürmen mit jeweils 4 Geschützen ausgeht, (die Einzel-Geschütze auf dem G-Turm im Wiener Augarten wurden erst im August 1944 gegen Flak-Zwillinge ausgewechselt), sind im ganzen Reichsgebiet nur 4 weitere Flak-Zwilling 40 in festen Stellungen aufgestellt worden. Die Verlegung dieses 27 Tonnen schweren Geschützes war nur zerlegt auf einem Sonderanhänger 203 mit einer Transportbrücke möglich.
Der einzige Flakturm, der in der Nachkriegszeit im amerikanischen Zuständigkeitsbereich lag, war der Flakturm Stiftskaserne im 7. Bezirk von Wien (in der dortigen amerikanischen Besatzungszone). Dem nachfolgenden Text über das Geschütz von Aberdeen, der auch im englischsprachigen Original wiedergegeben ist, ist jedoch zu entnehmen, daß das in Aberdeen ausgestellte Geschütz zu den wenigen Flak-Zwillingen gehört haben muß, die nicht auf Flaktürmen zum Einsatz kamen. Es diente in Bremerhaven zum Schutz der kriegswichtigen Hafenanlagen vor Luftangriffen und hätte bei einem alliierten Angriff von See her sicher auch gegen Schiffe eingesetzt werden sollen. Nach Kriegsende gelangte das Geschütz in die Hände der Amerikaner, die es nach Aberdeen überführten.
„This piece was developed in 1936-37 at Rheinmetal, and with its automatic loaders could deliver a fast rate of fire. The projectiles weighed about 55 pounds, and their velocity exceeded 1100 Meters per second, it enjoyed a ceiling of 50,000 feet. This unit, of which there were two such twins came from the end of the Mole (dock) at Bremerhaven. One was badly damaged by sabotage, while this one – the charges failed and we were able to recover and get it to Aberdeen Proving Ground, Maryland, USA. This type is a fortification piece, was never intended for mobile carriage. The gun is still serviceable.“
Deutsche Übersetzung: „Dieses Geschütz wurde in den Jahren 1936-1937 bei Rheinmetall entwickelt. Durch seine automatische Ladevorrichtung konnte es eine sehr hohe Feuergeschwindigkeit erreichen. Die Projektile wogen ungefähr 55 Pfund [ca. 25 kg]. Die erreichbare Gipfelhöhe betrug 50.000 Fuß [ca. 15,24 km], wobei die Geschwindigkeit der abgefeuerten Geschosse 1.100 Meter pro Sekunde überschreiten konnte. Dieser Geschütztyp war niemals für den Einsatz auf mobilen Trägern vorgesehen, sondern ausschließlich für eine stationäre Verwendung in Befestigungs- bauwerken. Das hier gezeigte 12,8 cm Flak-Zwillingsgeschütz sowie ein weiteres standen ursprünglich auf einer Mole in Bremerhaven. Da das andere jedoch durch Sabotage stark beschädigt wurde, bei diesem hatten die Sprengsätze nicht gezündet, konnte nur ein Geschütz zum Testgelände in Aberdeen, Maryland, USA gebracht werden. Die Kanone ist noch immer funktionsfähig.“
Der Autor des englischsprachigen Textes verwendete für die Zerstörung der Geschütze das Wort „Sabotage“. Leider ist der Begriff recht ungenau und bietet Raum für Spekulationen. Vom heutigen Standpunkt ist es schwer, die nur sehr vage beschriebenen Ereignisse nachzuvollziehen, wahrscheinlich ist aber, dass deutsche Truppen die Zerstörung durchführten, um zu verhindern, dass diese hochentwickelten Waffen den Alliierten in die Hände fallen. Nur dem glücklichen Umstand, dass die Sprengung in einem Fall fehlschlug, ist es zu verdanken, dass dieser vermutlich letzte 12,8 cm Flak-Zwilling erhalten geblieben ist.