Die wieder eingebaute Schleusentür
Zur Anschauung aufgeschnittenes Überdruckventil
Elektrifizierung der Gaslaterne
Wer sich heute auf eine Tour durch den Fichtebunker begibt, erlebt eine geschichtlich interessante Zeitreise durch die vergangen 190Jahre Berliner Stadtgeschichte. In diesem Gebäude steckt so viel Historisches, Überraschendes und Abwechslungsreiches, so wird jede Tour zu einem unvergesslichen Erlebnis.
Dieses Erlebnis teilen sich die Mitglieder der „AG Fichtebunker“ nun bereits seit einem Jahr mit unseren Gästen. Bevor jedoch an einen Führungsbetrieb gedacht werden konnte, vergingen 1 ½
Jahre der Bautätigkeit. Immerhin musste der Schutt und Staub aus den vergangen 20Jahren des Leerstandes das Gebäude vorher verlassen. Licht und Strom wurden neu angeschlossen, die Räume für Ausstellungen hergerichtet und der Führungsablauf festgelegt.
Am 17. September 2009 fiel dann endlich der Startschuss für die damals jüngste Tour des Vereins Berliner Unterwelten e.V.. Dies war für alle Mitglieder eine Freude. Endlich konnte das Ziel des Führungsbetriebes umgesetzt werden. Wir hatten nun ein neues Gebäude mit einem neuen Konzept, welches viele Besucher begeistern soll!
So blieb es auch hinter den Wänden des Fichtebunkers nicht lange ruhig. Schon nach einem halben Jahr war der Zuspruch so groß, dass wir die Öffnungszeiten erweitern konnten. Es gab und gibt
auch immer noch genügend Arbeiten, welche die Ausstellung noch anschaulicher und verständlicher gestalteten sollen. Während also ein Teil unsrer Mitglieder jede Woche zur Tour startet, beginnen hinter den Kulissen die Arbeiten für ein neues Projekt oder Exponat. Da jede Neuerung auch Veränderungen mit sich bringt, mussten wir umdenken. Die bei uns so geliebten Baueinsätze am Samstag mussten verändert werden. Ein aktiver Bohrhammer würde den Vortrag unserer Referenten nur stören.
Das moderne Zauberwort bei diesem Problem heißt „Umschulung“. Fast jeder unserer Bauleute durchlief die Ausbildung zum Assistenten. Und wem dies noch nicht genug war, der nahm sich den Leitfaden in die Hand, lernte den Ablauf der Tour und stellte sich dann der Prüfung zum Referenten. Dies hat heute den Vorteil, dass fast alle Referenten vom Gebäude her in die Tour hinein gewachsen sind. Jeder kennt die Räume in und auswendig und hat so seine eigenen kleinen Geschichten, die er mit dem Fichtebunker verbindet. Ein weiterer Vorteil dieser Ausbildung ist dass jeder weiß: Wann, wie und wo die Gruppen unterwegs sind. So kann man sich ganz gut aufeinander abstimmen und den Baufortschritt weiterhin parallel vorantreiben. Und der Bohrhammer? Der muss allerdings weiterhin bis zum Tourende ruhen.
Neben der Tour sind im vergangen Jahr viele neue Dinge entstanden. Da wären die neu eingerichteten Obdachlosen-Zimmer, die Kleiderkammer oder auch der Aufzug zu nennen, welcher den Luxus des Bunkers sehr gut da stellt. Da viele Generationen sich kein Bild mehr von der Nachkriegszeit machen können, wurde ein Diorama aufgebaut, welches die Vergangenheit sehr real wiederspiegelt. Für den Tour-Ablauf von großer Bedeutung war sicherlich der Wiedereinbau der letzten, im Fichtebunker noch vorhandenen Doppelstahltür. Dies erfolgte gleich neben der neu aufgebauten Registratur. Hier kann man die einzelnen, unterschiedlichen Kapitel der Zeitgeschichte schön sauber voneinander trennen. Was sich einst vor dieser Tür abspielte, sorgt auch heute noch für Gänsehaut und Schauer bei unseren Besuchern. 1.600 Personen am Tag wollten in der Nachkriegszeit durch diese Tür, um wenigstens für eine Nacht ein Dach über dem Kopf zu haben. Nicht alle konnten hinein gelassen werden, es war einfach nicht genug Platz vorhanden. Heutzutage wollen wir allerdings keinen mehr draußen stehen lassen. Sie sind herzlich eingeladen, sich die Fortschritte und Neuerungen einmal genauer vor Ort anzusehen.
Wir haben mit unserer gewachsenen Arbeitsgemeinschaft in letzter Zeit Leute erfreuen, verwundern und sicherlich auch begeistern können. Manfred Witt zum Beispiel: Er freute sich über das Double eines Überdruckventils aus dem Fichtebunker für „seinen“ OP-Bunker in der Teichstraße. Das Besondere an diesen Ventilen ist die ausgefräste Seite. Durch diese kann man einen Blick nach innen werfen und dem wissensdurstigen Besucher wesentlich besser die Funktion erklären. Verwundert haben die Gäste des „Pro Gaslicht e.V.“ unsere Anlage verlassen. Haben wir es doch tatsächlich gewagt, eine ehemalige Gaslaterne zu elektrifizieren. So etwas macht man doch nicht! Aber Sicherheit geht nun mal vor. Aus Sicherheitsgründen mussten wir auch einen zweiten (Not-)Ausgang schaffen. Einige Vereinsmitglieder haben dafür kraftraubenden Arbeiten wie die des Wand-Durchbrechens auf sich genommen. Was dahinter zum Vorschein kam, verwunderte uns alle. Damit hatten wir wirklich nicht gerechnet. Umso mehr aber darüber gefreut! Hinter der vermauerten Außenwand lagen rund 120 Dosen portugiesische Ölsardinen, aus der Zeit als im Fichtebunker noch die Senatsreserven lagerte. Leider sind sie alle in ihrer Haltbarkeit seit 1990 abgelaufen.
Als erster kultureller Höhepunkt fand im September 2010 das Klangkunstfestival im Fichtebunker statt. Auch hier ist für die Zukunft noch einiges geplant. Damit Veranstaltungen solcher Größe abgehalten werden können, wurde mit Hochdruck an einer vernünftigen WC-Anlage gearbeitet. Mit Hilfe von Spenden konnte diese aktuell fertiggestellt werden.
Ein weiteres Highlight war vor kurzem das zweite Zeitzeugen-Treffen im Fichtebunker. In regelmäßigen Abständen finden sich bei uns ehemalige Bewohner, Flüchtlinge und Opfer der Bombenangriffe ein, um sich gemeinsam zu erinnern und über das Erlebte zu berichten. Unsere Hoffnung ist, dadurch noch mehr über die damaligen Umstände, Einrichtungen und Nutzungen aus der Kriegs- und Nachkriegszeit zu erfahren.
Kennen Sie jemanden, der im Fichtebunker gelebt hat? Sind Sie selber vielleicht Zeitzeuge? So nehmen Sie bitte mit unserem Verein Kontakt auf, denn wir suchen auch weiterhin nach neuen Erkenntnissen der damaligen Zeit!
Ich würde mich freuen, wenn ich Ihr Interesse an diesem tollen Projekt geweckt habe und hoffe Sie demnächst einmal im Fichtebunker begrüßen zu dürfen. Bis dahin!