Wenn Sie schon mal in der Nähe sind, sollten Sie unbedingt einen Zwischenstop in Dover einlegen. Unzählige Touristen durchqueren Dover jährlich auf dem Weg nach Britannien und Irland. Doch wer bleibt? Kaum einer weiß, was er da so achtlos links liegen läßt. Das ging auch mir so, bis ich den Tip bekommen habe, bei der nächsten Überfahrt dort Rast zu machen.
Wer von Calais nach Dover nicht den Tunnel benutzt, (das ist zwar für uns eigentlich nicht standesgemäß, aber sehr zu empfehlen!) sieht von der Fähre aus die wunderschönen weißen Klippen von Dover. Das alleine macht die Überfahrt zu einem Erlebnis. Und auf den Klippen liegt, kaum sichtbar, die größte Festung in England. Durch den strategisch so wichtigen Standort an der engsten Stelle des Ärmelkanals (nur 20 Meilen von Frankreich entfernt) kann sie auf eine fast 2.000-jährige, ungewöhnlich gut dokumentierte Geschichte zurückblicken. Vom Mittelalter bis nach dem 2. Weltkrieg hat sie in fast allen Kriegen eine wichtige Rolle gespielt. Es erwartet Sie also ein historisches und architektonisches Erlebnis. – Und es gibt hier auch etwas unter der Erde zu finden.
Schon die Römer bauten hier einen Leuchtturm auf dem Boden einer Festungsanlage aus der Eisenzeit. Die Fundamente des Leuchtturms stammen noch aus der Zeit. Später bauten die Angelsachsen gleich daneben eine Kirche und nutzten den Leuchtturm als Glockenturm. Wilhelm der Eroberer baute gleich nach der Schlacht von Hastings einen mächtigen Wohnturm. Dieser heutige Mittelpunkt ist ein Turm mit einer quadratischen Grundfläche von 30x30 Metern und 29 Meter Höhe. Die Wände sind bis zu 6,40 Meter stark.
Heinrich II. erbaute zwischen 1168 und 1188 den inneren Burgwall. Er begann auch den Bau des äußeren Burgwalls, der heute eine Länge von fast anderthalb Kilometer hat. Durch die Weiterentwicklung der Artillerie wurden noch zwei Mal größere Umbauten notwendig. Das erste Mal zur Zeit der Französischen Revolution und der Napoleonischen Kriege (1792-1815) und danach im Zweiten Weltkrieg.
Der für uns wohl interessanteste Teil sind die unterirdischen Geheimgänge. Einige davon wurden bereits im Mittelalter gebaut, damit die Besatzung die Festung heimlich verlassen und Gegenangriffe starten konnte. Während des Krieges gegen Napoleon wurden die Gänge weiter ausgebaut. In der einzigen unterirdischen Kaserne Englands fanden 2.000 Mann Besatzung Platz.
Zu besichtigen sind die Gänge in dem Zustand, wie sie zur Zeit des zweiten Weltkrieges ausgesehen haben. 700 Personen fanden hier Platz. Von hier aus wurde die Evakuierung der 338.000 britischen und französischen Soldaten aus Dunquerque gelenkt. Während des Luftkampfes um England gab es hier ein Lazarett. Zu besichtigen ist zudem das Kommandozentrum, von dem aus Churchill die alliierten Truppen befehligte. Teile der Anlagen wurden später zu einem Atombunker umgebaut und erst Anfang der 90er Jahre aufgegeben.
Für die Besichtigung dieser riesengroßen Anlage sollten Sie einen ganzen Tag einplanen. Abends kann man dann in ein Fischrestaurant gehen, – (es schmeckt dort für englische Verhältnisse recht gut) – bevor Sie sich dann am nächsten Tag wieder in den Strom der Touristen einreihen, die da gen Britannien und Irland ziehen.
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