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Die unterirdische fränkische Schweiz

Die fränkische Schweiz liegt ungefähr auf halbem Wege zwischen Bayreuth und Nürnberg, sie ist in gut fünf Autostunden von Berlin aus zu erreichen. Die Quartiere sind als Ferienwohnung ab ca. 30,– € zu haben. Die Felsformationen bieten nicht nur Kletterern unzählige Möglichkeiten der Betätigung, hier gibt es ebenso viele Gelegenheiten, familiengerecht die Unterwelt zu erkunden.

Natürliche Formationen, die in Millionen von Jahren gewachsen sind, kann man in den zahlreichen Tropfsteinhöhlen besichtigen. In Pottenstein etwa kann man sich durch die größte Tropfsteinhöhle Deutschlands führen lassen. Leider ist die Führung stark touristisch ausgerichtet, so dass die Faszination der Höhle durch die Art der Führung gedämpft wird. Eine weitere Höhle ist die Binghöhle in Streitberg. Das Führungspersonal ist dort etwas „kundenunfreundlich“ – was man unter anderem daran merkt, dass beispielsweise das Fotografieren in dieser Höhle verboten ist.

Zu empfehlen ist dagegen die Maximiliangrotte in der Nähe von Krottensee mit dem größten Tropfstein Deutschlands und einer Tiefe von 70 Metern. Meine erste Besichtigung dortselbst erfolgte vor ca. zehn Jahren, die Führungen wurden damals noch mit Karbidlampen durchgeführt. Heute ist die Höhle elektrisch beleuchtet. Von der Karbidlampenbenutzung zeugt heute noch der an den Wänden abgelagerte Ruß. Mit etwas Überzeugungskraft kann man außerhalb der Hauptstoßzeit – also innerhalb der Woche die erste oder letzte Führung – die Höhle nur mit Taschenlampen besuchen. Hier erschließen sich die natürlich entstandenen Hohlräume innerhalb des Lichtkegels der Taschenlampen. Von der „anstrengenden“ Untergrundtour kann man sich im gegenüberliegenden „Grottenhof“ erholen.

In Neuhaus an der Pegnitz ist, neben der eigentlichen Burg, ein kleiner Luftschutzbunker mit Lüfter auf der Burg Veldenstein zu besichtigen. Die Burg gehörte ab 1938 Hermann Göring.

Von Menschenhand in den Boden gehauene Gänge kann man in der Nähe von Bayreuth bestaunen. In den Gleißinger Fels wurden vor 500 Jahren damit begonnen, Silbereisenerz abzubauen. Heute ist dort ein Besucherbergwerk entstanden. Die Führung mit einleitender Diashow dauert ungefähr eine Stunde. Mit Helm und Grubenlampe ausgestattet, erkundet man unter fachkundiger Führung die spärlich beleuchteten Stollen. Mit etwas Glück erwischt man eine kleine Gruppe oder erhält sogar eine Exklusivführung. Für die überstandene Führung erhalten die Erwachsenen zum Abschluss noch eine traditionelle „Ausfahrt mit einem Schluck Grubenwasser“. Als Entschädigung für den „kleineren Anhang“ kann auf der anderen Bergseite die Sommerrodelbahn auf dem Ochsenkopf besucht werden.

Auch in Nürnberg gibt es diverse unterirdische Anlagen ungeahnter Ausdehnung. Die Felsenkeller (Förderverein Nürnberger Felsengänge e.V., 90403 Nürnberg, Bergstr. 19, Telefon (09 11) 22 70 66 / Telefax (09 11) 2 30 55 91) ziehen sich teilweise vierstöckig unter einen ganzen Stadtteil Nürnbergs hindurch. Hier entstand ein Kellerlabyrinth, welches ursprünglich nur zur Biereinlagerung diente. Im Zweiten Weltkrieg wurden diese Räume als Luftschutzanlagen benutzt, in dieser Zeit entstanden viele Verbindungsgänge als Rettungsstollen. 22.000 Nürnberger fanden in den Kellern Schutz vor den Luftangriffen.

Der Kunstbunker beherbergte die wichtigsten Nürnberger Kunstschätze während des 2. Weltkrieges. Zu sehen sind noch einige technische Einrichtungen, die die klimatischen Bedingungen unter dem Burgberg auf einem gleichen und vor allem gleichmäßig stabilen Niveau halten sollten, sowie eine kräftige Panzertür. Beeindruckend ist der Diavortrag, worin die neunzig-prozentige Zerstörung der Stadt durch die Luftangriffe dargestellt wird. Läuft man später selbst noch einmal durch Nürnberg, beeindruckt der Aufbauwille, der hinter der sorgfältigen Rekonstruktion vieler historischer Gebäude gesteckt haben muß.

Die dritte Führung zeigt die unterirdischen Kasematten der Kaiserburg und die noch tiefer gelegene Lochwasserleitung für die Wasserversorgung. Eigentlich stehen alle drei Systeme untereinander in Verbindung; sie sind jedoch an einigen Verbindungsstellen entweder durch Zugangsreglementierungen oder durch Einstürze nicht mehr begehbar. Etwas außerhalb des Zentrums kann man auf dem ehemaligen Reichsparteitagsgelände die größenwahnsinnigen Bauten, als Ausdruck der verbrecherischen NS-Ideologie bestaunen.

Reiseland 

Deutschland

Autor: Ralf BlauermelStand: 05.05.07 Seitenanfang