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Der Ostwall Die Festungsanlagen des Ostwalls

Unweit der Europastraße E-30 von Berlin nach Warschau, nur 80 km hinter dem Grenzübergang Frankfurt (Oder) durchfährt der Reisende eine eher unscheinbare Stadt: Swiebodzin (Schwiebus). Dass hier in der Gegend nach dem 1. Weltkrieg auf ca. 360 km ein mit der Maginot-Linie vergleichbarer Festungswall entstand, bemerkt nur der eingeweihte Beobachter.

Dank des unkomplizierten Umgangs unserer polnischen Nachbarn mit der jüngsten Geschichte des vergangenen Jahrhunderts wurde in den letzten Jahren in engagierter polnisch-deutscher Kooperation dieser Ort als historisches Zeugnis etabliert, das die weit verstreuten – darunter noch einige gut erhaltene – Festungswerke für Besucher begeh- und erfahrbar macht. Nur wenige Kilometer nördlich von Swiebodzin zweigt an der Fernstraße E-65 nach Miedzyrzecz (Meseritz) im Ort Kalawa (Kalau) eine kleine Straße nach Pniewo (Pinnow) ab, heute Standort eines „Ostwall“-Museums.

Neben einem Buchladen und einer kleinen Gastronomie beginnen hier verschiedene Touren, die in Eigenregie angeboten werden. In den unterirdischen Anlagen befindet sich das größte zusammenhängende Fledermausquartier Polens mit einer Population zehntausender Tiere aus 20 Fledermausarten. Von hier starten die Touren in das unterirdische Gangsystem, das vom Deutschen Reich in einer Länge von fast 35 km erbaut und zur Versorgung der einzelnen Panzerwerke mit Munition und Proviant sogar mit einer elektrischen Schmalspurbahn ausgestattet wurde. Allein das eingleisige Bahnnetz verfügte über 22 Bahnhöfe. Von diesen gewaltigen Ausdehnungen sind an der Oberfläche nur die gepanzerten Kuppeln der Befestigungswerke sichtbar, deren Stahlwände bis 35 cm dick sind und die seinerzeit selbst 220-mm-Geschossen standhalten sollten. In einigen Panzerwerken sind zudem noch die historischen
Aufzugsanlagen zu besichtigen.

Die Führungen umfassen selbst in der Kurzfassung von 2 Stunden die Panzerwerke und deren Funktionsweise, einen Abstieg in rund 28 m Tiefe und einen knapp 1,8 km langen Spaziergang durch einen Bahntunnel, vorbei an Vorratslagern für Proviant, Katakomben für die Energieversorgung und Mannschaftsschlafräumen.

Wer gar nichts auslassen möchte, kann seinen historischen Polentrip mit einem Besuch der Festungsanlagen Miedzyrzecz (Meseritz) bzw. Kostrzyn (Küstrin) abrunden.

Ergänzung
Mittlerweile hat sich gegenüber dem Zeitpunkt, zu dem der Bericht geschrieben wurde, einiges geändert. Das „Ostwall“-Museum in Pniewo ist das einzige des historischen Festungssystems. Allerdings werden auch an der Burschener Schleife begleitete Touren angeboten. Die Befestigungsanlagen des Oder-Warthe-Bogens können, einschließlich einer speziellen Fledermaustour, also von zwei Orten aus besichtigt werden. Für eine Tour zum Oder-Warthe-Bogen, etwa 80 Kilometer östlich von Frankfurt/Oder gelegen, sollte man allerdings mindestens zwei volle Tage einplanen. Es gibt unglaublich viel zu sehen und ist in jedem Fall lohnenswert. Dies nicht nur wegen den Bunkern sondern auch wegen der schönen Landschaft und der guten Luft.

Reiseland 

Polen