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Das Buddeln will nicht enden Zitat von Otto Schmelzer (1896)

Wenn die Winterstürme dem Lenzlüfterl weichen, dann beginnt in Groß-Berlin unweigerlich das Buddeln. Der Sommer wäre in der Reichshauptstadt um ein gut Stück erträglicher, wenn sich diese vielverpönte Buddelei, an der der Berliner Witz alljährlich wieder sein Mütchen kühlt, vermeiden ließe. Aber sie ist nun einmal das notwendige Übel der Weltstadt. Den biederen Bürger überläuft eine Gänsehaut, wenn er des Morgens aus seinem nach hinten hinaus gelegenen Schlafgemach in das Vorderzimmer tritt, sich über das Wetter unterrichten will und nun sehen muss, dass in dieser Nacht bei Fackelbeleuchtung oder in früher Morgenstunde jene gefürchtete Straßenarbeit in Angriff genommen ist, die ihm für eine ganze Zeit die Behaglichkeit erheblich zu beeinträchtigen droht. Ist seine Straße mit Asphalt gedeckt, so treibt der dunkle Qualm des „Schmorkessels“ zum Himmel, schwärzt das Haus, verletzt die Nase und legt sich schwer auf die Lunge; ist sie mit Steinen gepflastert, so dringt der Staub unbarmherzig durch alle Fensterporen, und das monotone, taktmäßige Dröhnen der heruntersausenden Rammer erschüttert beständig das Trommelfell und die immer empfindliche Nerven des Großstadtmenschen. Dazu die Unbequemlichkeit auf der Straße selbst, im Verkehr der Fußgänger und der Wagen, die geschäftliche Schädigung, die namentlich für die Ladenbesitzer oft damit verbunden ist – man kann es dem Berliner wahrlich nicht verargen, wenn er die ganze Buddelei dahin wünscht, wo der Pfeffer wächst.

Auszug aus dem Buch 

„Dunkle Welten – Bunker, Tunnel und Gewölbe unter Berlin“