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Das Berliner Olympiastadion

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Vorgeschichte

Das Areal um das heutige Olympiastadion war bereits in der Kaiserzeit sportlich genutzt worden. Schon 1909 gab es hier die „Pferderennbahn Grunewald“. Aber bereits vier Jahre später wurde an dieser Stelle anlässlich der bereits in Berlin vorgesehenen für 1916 geplanten Olympischen Spiele das „Deutsche Stadion“ errichtet. Architekt war Otto March (1845-1913), der Vater der Brüder Werner (1894-1976) und Walter March (1900-1969), die das spätere Olympiastadion konzipierten. Aufgrund des Ersten Weltkrieges fielen die Spiele von 1916 allerdings aus.

In den zwanziger Jahren entwickelte Werner March Pläne, auf dem Gelände ein „Deutsches Sportforum“ zu erbauen. In der Nähe des heutigen Olympiastadions sollten Sportstudenten an einer „Hochschule für Leibesübungen“ ausgebildet werden. Es wurden aber nur wenige Gebäude bis 1933 errichtet. Als das Internationale Olympische Komitee (IOC) den Austragungsort der XI. Olympischen Sommerspiele auf Berlin festlegte, sollte hierfür zuerst das heutige Poststadion an der Lehrter Straße in Moabit umgebaut werden. Doch als man Adolf Hitler diese Pläne vorlegte, beschloss er, dass man ein neues Stadion (zu diesem Zeitpunkt noch „Deutschlandstadion“ genannt) für 100.000 Zuschauer bauen solle.

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Bau und Olympische Spiele

Entgegen der Möglichkeit, das bereits vorhandene „Deutsche Stadion“ für die Olympischen Spiele umzubauen, ordnete Hitler im Oktober 1933 den Bau eines neuen Großstadions an, wohl auch wegen des zu erwartenden propagandistischen Effekts. Das heutige Olympiastadion wurde bald darauf nach den Plänen des Architekten und Professors Werner March – mit Unterstützung seines Bruders Walter – in den Jahren 1934–1936 erbaut und hatte rund 100.000 Plätze. Aufgrund der neuen Planungen wurde das alte Stadion ab 1934 gesprengt und abgeräumt. Die Trümmer wurden unter anderem als Füllmaterial für den Bahndamm über die Ruhlebener Straße verwendet. Formal orientierte sich das neue Stadion aufgrund seiner klaren geometrischen Form an antiken Sportstätten. Der gesamte untere Zuschauerring wurde allerdings unter dem Umgebungsniveau angelegt, so dass bis heute nur der Oberring dem Stadion von außen her gesehen seine Form gibt. Andernfalls wäre das Bauwerk noch wuchtiger und übermächtiger ausgefallen. Für die Unterkonstruktionen verwendete March schmale Pfeiler aus Stahlbeton. In den ursprünglichen Entwürfen sollte es wesentlich moderner wirken und viele Glaselemente in Stahlkonstruktionen enthalten. Da dies jedoch nicht den Architekturvorstellungen der Nationalsozialisten entsprach, mussten die modernen Ansätze Marchs vor allem durch das massive Gesims und die Verkleidungen aus frankischem Kalkstein gebrochen werden, die dem Stadion letztendlich das von den Machthabern gewünschte imposante Aussehen verliehen.

Das Stadion wurde zu den Olympischen Sommerspielen eröffnet, die in der Zeit vom 1. bis 16. August 1936 stattfanden und zu einem großen Propaganda-Schauspiel für das „Dritte Reich“ avancierten. Das 132 Hektar große Olympiagelände gilt seitdem als das „am besten erhaltene architektonische „Gesamtkunstwerk“ des Nationalsozialismus“. So ließ das NS-Regime das Sportforum zum so genannten Reichssportfeld ausbauen. Zum Olympia-Ensemble zählten außerdem das Schwimmstadion, der Glockenturm, die Langemarck-Halle mit Maifeld sowie die Waldbühne.

Die so genannte Langemarck-Halle nimmt den größten Teil des Mittelgeschosses unter den Maifeldtribünen ein. Sie war dem Andenken derjenigen zumeist recht jungen Soldaten des Ersten Weltkrieges (1914–1918) gewidmet, die als Freiwilligen-Regimenter, unzureichend ausgebildet und ausgerüstet, beim Sturm auf Langemarck (bei Ypern in der belgischen Provinz Westflandern) am 10. November 1914 sinnlos geopfert wurden und zu Tausenden gleich zu Kriegsbeginn fielen.

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Zweiter Weltkrieg und Nachkriegszeit

Im Zusammenhang mit der Verlagerung der Rüstungsproduktion unter die Erde ab 1943, bedingt durch die sich immer mehr verschärfenden alliierten Bombardements auf die Reichshauptstadt, wurde auch die Unterkonstruktion des Olympiastadions für diese Zwecke genutzt. Die umfangreichen Kelleranlagen nutzten zu etwa gleichen Teilen die Firmen Blaupunkt (Produktion von Röhren) und Henschel (Flugzeugteile). Blaupunkt wurde in die Unterkonstruktionen der Tribünen untergebracht, Henschel belegte den „Marathontunnel“ im südlichen Zufahrtsbereich des Stadions.

So entstand auch der Name „Blaupunkt-Bunker“. Es handelte sich dabei um etwa 2000 Quadratmeter große Räumlichkeiten, die durch eine zusätzlich eingezogene meterdicke Stahlbetondecke geschützt wurden.

Den „Blaupunkt-Bunker“ beseitigte man erst Anfang der 1950er Jahre. Im Januar und Februar 1950 wurden britische Pioniere letztmalig in Berlin aktiv und versuchten, die Anlage zu zerstören. Doch schon nach den ersten Sprengungen wiesen die Wände und Säulen der Stadionkonstruktion gefährliche Risse auf, welche nach der Meinung von Fachleuten die statische Festigkeit erheblich gefährdeten. Bei einer Fortsetzung der Sprengarbeiten drohte das Stadion in Teilbereichen einzustürzen, die bereits entstandenen Schäden schätzte man auf mehrere hunderttausend Mark. Die Sprengungen wurden darauf hin eingestellt, eine deutsche Firma sollte den Bunker „neutralisieren. Der entstandene Sachschaden – ein großer Teil der Ränge war danach unbrauchbar – sollte durch die britische Besatzungsmacht bezahlt werden, die ihrerseits jedoch die Rechnung nie beglichen hat, da sie sich auf ein angebliches Missverständnis berief und von daher sämtliche Zahlungen verweigerte.

Die teilweise erheblichen Kriegsschäden wurden im Auftrag der Bundesregierung seit 1954 beseitigt. Aber erst von etwa 1965 an war das Olympiastadion wieder vollständig hergestellt. Ein weiterer Bunker befindet sich noch heute am westlichen Rand des ehemaligen Reichsportfeldes.

Diese Anlage entstand 1940 und diente dem Stab der „Luftflotte Mitte“ (ab 1944 umbenannt in „Luftflotte Reich“) als Befehlsstand der Luftverteidigung im Großraum Berlins. Bereits 1941 wurde dieser Bau zu klein, so dass im Bezirk Zehlendorf (Wannsee) ein größerer Bunker gebaut werden musste. Die Anlage am Hang, zur Murellenschlucht, diente fortan nur noch als Verwaltungsaußenstelle. Bei seiner Sprengung durch die Briten 1950 wurde die Entwässerungsleitung der Waldbühne beschädigt, so dass die Fäkalien regelmäßig in die Murellenschlucht liefen.

Eine Tragödie spielte sich unmittelbar vor dem Kriegsende ab, als auf dem Gelände unzählige Mitglieder der Hitlerjugend als Teil des Volkssturmes für einen sinnlosen Sieg den Heldentod starben. Schon nach wenigen Tagen eroberte die Rote Armee das von ihnen eingenommene Reichssportfeld wieder zurück.

Auch der Glockenturm wurde zum Ende des Zweiten Weltkrieges zerstört, als ein großes Filmarchiv, welches sich unter dem Gebäude befand, ausbrannte. Der heiße Rauch und Qualm stieg im Turm, wie in einem Schlot, nach oben. Die Hitze ließ die Eisenträger zerschmelzen, das Bauwerk stürzte in sich zusammen. Hierdurch bekam die Olympia-Glocke, die bereits durch einen Granatdurchschuss beschädigt worden war, einen Riss, aufgrund dessen ihr Klang endgültig verloren ging. Die Glocke wurde nach Kriegsende vergraben, aber bereits 1947 wieder freigelegt. Noch heute ist die Stelle, an der sich einst das Hakenkreuz auf der Glocke als auch der Granatdurchschuss befanden, gut zu erkennen.

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Umbaumaßnahmen

Aufgrund der Geschehnisse in NS-Zeit geriet das Olympia-Gelände historisch in Verruf. Ein Teil des ehemaligen Reichssportfeldgeländes diente den Briten als Hauptquartier, doch erst zu Beginn der 1970er Jahre wurde wieder am Stadion gebaut, als man es für die Fußball-WM 1974 vorbereitete und teilweise überdachte. Wieder vergingen fast 30 Jahre, bis in den Jahren 2000-2004 das Stadion unter Beibehaltung des Sportbetriebs nach Entwürfen des Architekturbüros Gerkan, Marg und Partner für die Fußball-WM 2006 umgebaut und modernisiert wurde. Dabei senkte man die Wettkampffläche um einige Sitzreihen ab, um eine „dichtere Fußballatmosphäre“ zu schaffen. Auch das neue herausragende Kennzeichen des Stadions, das nun alle Ränge umfassende Dach, ist dabei erstellt worden. Nach den Umbauarbeiten fasst das Stadion jetzt 74.500 Sitzplätze und steht unter Denkmalschutz. Offiziell beachtete man bei den Umbauarbeiten die konservatorischen Belange des Denkmalschutzes. So wurden die Natursteinverblendungen einzeln gesandstrahlt, rund 70 Prozent der historischen Bausubstanz blieb erhalten. Veränderungen gab es hingegen bei der Tartanbahn, welche unter Kritik des Denkmalschutzes blau ausgelegt wurde. Die offizielle Einweihung des Stadions fand am 31. Juli und 1. August 2004 statt.

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Expedition unter das Olympiastadion

1996 und 2001 erkundeten Mitglieder unseres Vereins die unterirdischen Anlagen unter der Arena und in der Umgebung. Hierbei konnte auch ein vergessener Fußgängertunnel aus der NS-Zeit unter der Passenheimer Straße in Augenschein genommen werden, der kurze Zeit später verfüllt wurde. Spannender war es allerdings unter dem Stadion selbst. Es ging durch Lagerräume, die 1945 als Lazarett dienten, selbst Reste des „Blaupunkt-Bunkers“ waren noch vorhanden. Beeindruckend war auch der unterirdische Aufgang zur Ehrentribüne. Je tiefer es jedoch in die Eingeweide des Großbaues hinunter ging, um so mehr offenbarten sich die Spuren der Vergangenheit. Wir fanden sogar noch Graffitis aus der Frühgeschichte des Bauwerks, mit denen sich die Bauarbeiter in den 1930er Jahren hier unten verewigten. „Daß wir hier bauen, verdanken wir dem Führer“, war ebenso zu lesen wie italienischsprachige Lobhudeleien über den „Duce“ (Mussolini). Unsere Technikfans kamen auch auf ihre Kosten, als wir in den Kabelkanälen noch völlig intakte Fahrrohre der einstigen Berliner Stadtrohrpost entdeckten. Über sie wurden einst die Meldungen über die olympischen Erfolge in die Welt gesendet. Weitere historische Verbindungsgänge, die zum ehemaligen „Haus des Deutschen Sports“, unmittelbar am Olympischen Schwimmstadion vorbei führten, waren ein weiterer Höhepunkt auf dieser erkenntnisreichen Expedition. Leider blieb weder von den Kabelkanälen noch von den Rohrpostanlagen nach den Sanierungs- und Umbauarbeiten auch nur der geringste Überrest erhalten. Unsere Bitte, diese bergen und zu Ausstellungszwecken sichern zu dürfen, verhallte scheinbar ungehört. Wie so oft in der jüngsten Stadtgeschichte Berlins wurden alle historisch relevanten unterirdischen Spuren mit einer Gründlichkeit tiefenenttrümmert, die nur Erstaunen und Kopfschütteln erwecken kann. Der für diesen Bereich zuständige Denkmalschutz hat sich in den Katakomben des Berliner Olympiastadions jedenfalls nie blicken lassen.

Fakten 

Erbaut: 1934–1936
Ausdehnung: Umfang ca. 840 m
Nutzungszweck: Stadion für Sportveranstaltungen, zwischenzeitlich Rüstungsproduktionsstätte (1943–1945)
Zustand: in Betrieb, zum Teil nicht öffentlich zugänglich

Informationen zu Führungen durch die Olympiastadion Berlin GmbH finden Sie hier

Autor: Dietmar Arnold, Reiner Janick, Gudrun Neumann, Ingmar ArnoldStand: 02.11.14 Seitenanfang

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