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Bunker, Burgen und Bollwerke Historische Wehranlagen zwischen Passau und Hainburg

In seinem jüngsten Buch beschäftigt sich der promovierte Historiker Marcello La Speranza mit seinen Steckenpferden, um nicht zu sagen: mit seinen innersten Leidenschaften: Archäologie und Bunker.

Zu Beginn sollte jedoch gleich gesagt werden, daß es wohl nicht ratsam ist, diesen „Reiseführer der gehobenen Art“ spontan von vorne nach hinten, auf einen Rutsch durchzulesen. Dazu liefert er zu viele spezielle Einzelheiten zu ganz spezifischen Objekten, die man vor allem bei Besuchen vor Ort gut gebrauchen kann. Aber eben nur dort. Man kann sich aber auch von der Fabulierlust des Autors treiben lassen, denn es gibt zahlreiche Querverweise bei fast jedem Stichwort, um sich auf eine gelehrsame Reise in historische Labyrinthe an der Donau zu begeben. Und dann wird man schon sehr bald vergnüglich zwischen „Rechtecken, Quadraten, Kreisen oder Trapezen“, den geometrischen Grundformen von Festungsanlagen in allen Zeiten, hin und her tappen. Eine Betrachtung von Festungen, die sich über Jahrhunderte, über ganze Zeitalter erstreckt. Das ist das hehre Ziel.

Aber: „Erst im großen geschichtlichen Zusammenhang und Vergleich kann man Parallelen zwischen den Epochen entdecken. Bollwerke waren nicht nur Orte des Schutzes für eine bedrohte Bevölkerung, sondern stets auch Status und Herrschaftssymbole. Zwar haben auch die immer moderner werdenden Angriffsmethoden die Gesichter der Festungen geprägt, aber die geometrischen Grundformen sind sowohl im römischen Kastell wie auch dem, Nazi-Bunker‘ zu entdecken.“ (S. 16 f.)

Marcello La Speranza strebt hier eine Synthese an, wie sie beispielsweise auch auf unserer Website: www.berliner-unterwelten.de besteht, bei den Links, unter der Kategorie „Bunker und Befestigungen“. Anders ausgedrückt: er will eine „Versöhnung“ zwischen dem reinen Luftschutzbunker-Puristentum und einer nostalgischen Rittertum-Verherrlichung und zwar am Beispiel des Donauraums zwischen Passau, Wien und Hainburg. Er kann dies auch deshalb auf solider Basis tun, weil er über langjährige Erfahrungen verfügt. Sowohl in der klassischen Archäologie, nämlich bei Grabungen in Carnuntum, der Hauptstadt der römischen Provinz Oberpannonien, aber auch deshalb, weil er sich in den letzten Jahren immer mehr zu einem Großstadtarchäologen des 20. Jahrhunderts gemausert hat, der stets unterwegs ist auf der Suche nach Relikten aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs.

Wie zum Beispiel verstreute Granatsplitter, vergessene Flakbatterien, oder auch verrostete Ordensabzeichen. Darüber hinaus nimmt La Speranza sich in diesem Buch noch die Zeit und den Raum, sich mit den ebenfalls sehr bemerkenswerten Hinterlassenschaften beispielsweise aus der Zeit des Deutsch-Österreichischen Krieges von 1866 zu kümmern (den so genannten Preußen-Schanzen auf dem Bisamberg, unweit von Wien in Niederösterreich). Jedes Objekt, welches in diesem Buch beschrieben wird, ist ein eigenes Stichwort. Sehr oft auch mit Querverweisen. Ab und an wird der Text durch grau eingetönte historische Exkurse unterbrochen. Wie war das damals eigentlich noch mit den Türken im Jahre 1683? (Der Blick richtet sich hier nicht nur auf Wien!). Was kann man sich unter den „Standbeinen der römischen Verteidigung“ vorstellen, oder auch: was hat es mit den „emsigen und wackeren Kuenringern“ auf sich?

Das und noch vieles mehr erfährt man in diesem Kompendium der historischen österreichischen Donauregion. Es ist vielleicht wirklich eher als ein Reiseführer gedacht als eine historische Grundlektüre. Jedenfalls sollte man dieses Buch dabei haben, wenn man, aus welchen Gründen auch immer, seinen Urlaub in diesen Gefilden verbringt. Den Unterwelt-Liebhabern wird nämlich der eine oder andere nützliche Tipp zu lohnenden Touren geboten.

Möglicherweise muß man sich an das Gliederungssystem dieses Buches (Ur- und Frühgeschichte, Limes, Stadtbefestigungen, Mythos Burgen, Schlachtfelder, Bunker) erst einmal gewöhnen, aber diesem liegt ein spezifisch La Speranza’sches Deutungsmuster zugrunde.

Titelinfo 

Autor: Marcello La Speranza
Erschienen im: Leopold Stöcker-Verlag (Wien), 1. Auflage 2004
ISBN: 3-7020-1046-7
Preis: 29,90 € (368 Seiten, ca. 150 Abbildungen, Format 14 x 21 cm, kartoniert)

Verfügbarkeit 

Dieses Buch ist nicht bei uns erhältlich.

Autor: Ingmar ArnoldStand: 27.06.11 Seitenanfang