Facebook Twitter RSS Login Sprachen
Schriftgröße
Kontrast

Schnellsuche

BII-Triebwagen 132 Ein U-Bahnwagen im Unterwelten-Museum

Fuehrungen -- Tour 1 Galerie

Für den Betrieb der ersten Großprofilstrecke zwischen Seestrase und Hallesches Tor (später als Linie C und U6 bezeichnet) wurde mit Inbetriebnahme (1923) zunächst Wagenmaterial der Berliner Hoch- und Untergrundbahngesellschaft an die Berliner Nordsüdbahn AG ausgeliehen. Der Abstand zwischen diesen schmaleren Wagen (Kleinprofil) und dem Bahnsteig wurde mit seitlichen Holzbohlen an den Wagen ausgeglichen. Erst 1924 wurden die ersten Großprofilwagen der Bauart BI hier eingesetzt. 74 Trieb- und 111 Beiwagen wurden bis 1926 in Betrieb gesetzt. Die ovalen Stirnfenster gaben der Bauart BI den Spitznamen „Tunneleule“.

Für das wachsende U-Bahnnetz waren weitere Fahrzeuge erforderlich. Aus anfänglichen Problemen der Bauart BI entwickelte man eine überarbeitete Version, der Fahrzeugserie BII (20 Triebwagen, 57 Beiwagen). Diese zweite B-Serie wurde 1927/28 gebaut. Die ovalen Fenster wichen einer modernen Ansicht, das Fahrziel wurde nun mittels eines Fahrzielbandes mittig über der Stirntür beleuchtet angezeigt.

Beide Bauarten der Gattung B wurden im Berliner U-Bahnnetz bis 1969 auf den Linien C und D eingesetzt, was im wesentlichen der heutigen U6 und U8 entspricht. In den letzten Betriebsjahren beschränkte sich der Einsatz der betagten Wagen jedoch auf die Verstärkung in der Verkehrsspitzenzeit. Nach ihrer Außerdienststellung gingen die meisten Fahrzeuge verloren. Einige wurden verschrottet, andere fanden anschließend als Lager-, Schlaf- und Aufenthaltsräume Verwendung oder dienten Hilfsorganisationen und dem Militär zu Übungszwecken.

Bereits in den 30er Jahren begann man aus ausgedienten Zügen der U-Bahn Fahrzeuge für den Arbeits- und Wartungsdienst herzurichten. Der Triebwagen 132 wurde von 1971 bis 1975 als Gerätezug am Bahnhof Hermannplatz stationiert, erhielt dadurch die Arbeitszugnummer 1193. Nach 1975 stand der Wagen mit einer Laufleistung von 1.591.000 km ohne Verwendung auf dem Gelände der Betriebswerkstatt Britz. Im April 1983 wurde vom Triebwagen 1193 (früher 132) die Stirnfront abgetrennt und ab Sommer 1983 als Kassenraum für die „Multivison Berlin Show“ (180°-Kino mit Imagefilm über die Stadt Berlin) im Europa-Center aufgebaut. Nach etwa 10 Jahren wurde die Berlin Multivision Show geschlossen, die Stirnfront blieb als Dekoration für die späteren Ladenmieter erhalten, die Wagenfront wurde hier leider in ein für die Berliner U-Bahn untypisches Blau umlackiert.

Im Sommer 2005 wurden Mitglieder des Vereins Berliner Unterwelten e.V. auf diese Zugfront aufmerksam, und rätselten schon über Verwendungsmöglichkeiten im Verein. Im Februar 2006 wurde die Situation plötzlich aktuell, da der betreffende Gebäudetrakt einem Neubau weichen sollte.

An zwei Tagen gelang es den vier Unterweltlern das fest verschraubte sowie an Wand und Boden fixierte „Kassenhäuschen“ zu zerlegen. Nach der Demontage des originalen Holzdaches und kleinerer Details (Pfeife, Zielband und Griffe) und dem Ausbau der Innenverkleidung konnte die Stirnfront für die neue Verwendung als Ausstellungsstück im Unterwelten-Museum entsprechend gekürzt werden. Die engen Treppen und Raumöffnungen im Unterwelten-Museum liessen eine längere Zugfront nicht zu, so mussten wir gut 2 Meter Zugteil im Europa-Center zurücklassen.

Im Berliner Unterwelten-Museum wurde die Front des BII-Triebwagens 132 als Ausstellungsstück für den Themenraum „Die GN-Bahn“ aufgestellt. Nach dem Zusammenbau des Wagens und Lackierung in seine ursprüngliche gelbe Farbgebung wird der Wagen auch seine einstige Wagennummer 132 wieder erhalten.

Wenige Meter tiefer auf den Gleisen der heutigen U8 fuhr dieser Wagen unzählige Male bis 1969 seine Runden auf der Linie D zwischen der damaligen Endstation Gesundbrunnen und Leinestrasse. Damit haben wir in unseren Ausstellungsraum zur GN-Bahn ein Stück echte Geschichte aus dem Jahr 1928 geholt und spannen den Bogen von unserer Haus- und Hoflinie U8 direkt in unser Vereinsmuseum.

Von der Bauart BII gibt es heute nur noch wenige Exemplare. Beispielsweise hält die Arbeitsgemeinschaft U-Bahn für Sonderfahrten einen vierteiligen Museumszug fahrfähig, der unter anderem aus dem Triebwagen 131 gebildet wird. Wagen 133 steht heute als Informationsraum im Naturpark Südgelände (S-Bhf. Priesterweg).

Literatur-Tip 

„Die Fahrzeuge der Berliner U-Bahn Typ B“ von Andreas Biedl (VBN Verlag B. Neddermeyer, ISBN 3-933254-56-6)