Als das zentrale Bauwerk der Umgestaltung Berlins konzipierte Albert Speer – „nach Ideen des Führers“ – Ende 1937 eine „Große Volkshalle“ für 180.000 Menschen. Eine Versammlungsstätte, zu deren Füßen sich Reichstag und künftiges Führerpalais befinden sollten, und ein Vorplatz mit einem Fassungsvermögen für eine weitere Million Menschen. Am 23. Juni 1938 beauftragte Speer die vorbereitenden Arbeiten für die Errichtung der „Großen Halle“, die „bis zum 30. Januar 1950 zur Einweihung fertiggestellt“ sein sollte. Zahlreiche Einzelheiten waren für diesen maßstabsprengenden Bau zu klären – die Beschaffenheit des Baugrundes, der Anschluss an den öffentlichen Nahverkehr, die Konstruktion der Fundamente und Kuppel, die Akustik und Klimatisierung des Versammlungsraumes und die Baulogistik für die Versorgung mit Arbeitskräften und Material.
Die steile Karriere des 1902 in Essen geborenen Karl Maria Hettlage begann bereits in der Weimarer Republik. Mit 30 Jahren war er habilitiert und neben seiner Tätigkeit als geschäftsführender Finanzdezernent des Deutschen Gemeindetages auch Mitglied des Preußischen Landtages für die Zentrumspartei. 1933 wechselte er rasch die Seite, trat der SS bei und gehörte zu den Gründungsmitgliedern der „Akademie für Deutsches Recht“. Hettlage war als Stadtkämmerer von Berlin ab 1934 unmittelbar mit den Bauplanungen befaßt. 1938 wechselte er in den Vorstand der Commerzbank. Der Generalbauinspektor berief ihn 1940 zum Leiter des Hauptamtes, wo er sich durch Restrukturierungen rasch unentbehrlich machte und faktisch als Speers Vertreter amtierte.
Der Generalbauinspektor beanspruchte für seine Pläne neben Bahngelände und Wohnvierteln auch die Flächen von sieben Friedhöfen. Als erste traf es den Neuen und den Alten Friedhof der St. Matthäus-Gemeinde in Schöneberg. Insgesamt sollten 20 Friedhöfe im ganzen Stadtgebiet entwidmet werden. Während die Berliner Bevölkerung ihre Toten außerhalb der Stadt in Stahnsdorf, Mühlenbeck oder Ahrensfelde betrauern sollte, war das zentrale Gedenken an die toten Soldaten vergangener oder künftiger Kriege an den Endpunkten der Repräsentationsachsen geplant. Bereits im August 1938 erklärte daher Albert Speer das Gebiet um den Alten St. Matthäus-Kirchhof zu einem weiteren seiner Interessensgebiete. Allein hier mussten 4.507 Grabstätten weichen.
Im Winter 1937/38 vereinbarten Hitler, Himmler und der Generalbauinspektor für die Reichshauptstadt (GBI) Albert Speer, dass die SS Ziegelsteine und Granitquader auch für Monumentalbauten zur Verfügung stellen sollte. Um die Baustoffgewinnung und -lieferung zu garantieren, stellte der GBI finanzielle Mittel für die Errichtung des damals weltweit größten Ziegelwerkes in der Nähe des Konzentrationslagers Sachsenhausen in Oranienburg zur Verfügung. April 1938 wurde die Deutsche Erd- und Steinwerke GmbH gegründet, die hauptsächlich den Bedarf der „Führerbauten“ sicherzustellen hatte.
Speer war seit September 1940 an der Deportation der Berliner Juden interessiert. Als Fürsprecher, die er mit Wohnungszuteilungen im Rahmen ihrer behördlichen Wohnungsfürsorge bedachte, gewann Speer Heydrich und Goebbels. Nach der „1. Aktion“ im Januar 1941 startete der GBI im Mai 1941 die „II. Aktion“ und im September 1941 schloss er seine Vorbereitungen für die folgende „III. Aktion“ von 5.000 Wohnungsräumungen ab. Nun ließ er die betroffenen Juden direkt durch die Gestapo deportieren. Die letzte dieser „Großaktionen“ gab Speer laut seiner hausinternen Chronik im November 1941 in Auftrag.