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Baubrigaden Krieg, Gesellschaft und KZ

Zeitzeugen des Dritten Reiches sagen immer gerne, dass die Juden einfach abgeholt wurden und spurlos verschwunden seien. Man habe auch nie oder allenfalls nur gerüchteweise von den Konzentrationslagern gehört. Karola Fings zeigt mit ihrer Dissertation, dass die KZ's schon 1941 in das Blickfeld der Bevölkerung gerieten und die Zivilgesellschaft eine nützliche Symbiose mit ihnen einging. In diesem Jahr wurden die ersten Außenlager in den Ballungsräumen errichtet, um die SS-Baubrigaden aufzunehmen. Ursprünglich wurden sie gebildet, um nach dem Endsieg die eroberten Ostgebiete umzugestalten. Ihre Arbeitskraft sollte auch für die Reichshauptstadt Germania eingesetzt werden.

Der ungeplante und sich ungünstig entwickelnde Kriegsverlauf zwang jedoch die Machthaber ziemlich rasch, die Häftlinge auch in die Städte zu schicken, um den dort „anfallenden“ Trümmermengen Herr werden zu können, an denen die Orte zu ersticken drohten. Die Befürchtungen der Organisatoren vor negativen Auswirkungen auf und durch die Bevölkerung erwiesen sich als grundlos. Vielmehr bildeten die Volksgenossen sehr häufig sogar noch einen zusätzlichen Zaun um die Häftlinge, es kam nur ab und an zu einzelnen Hilfeleistungen für die geschundenen Gestalten.

Die kommunalen Behörden nahmen die Hilfeleistung gerne an und versuchten weitere Begehrlichkeiten mit Hilfe der drei aufgestellten Baubrigaden zu decken. Doch nur bis etwa 1943/1944 konnte mit Hilfe der Baubrigaden die Hauptverkehrsadern und Infrastruktur instand gehalten werden. In Berlin beispielsweise wurde die SS-Baubrigade II bis 1944 dazu eingesetzt, Trümmer zu räumen, Blindgänger zu sprengen und Leichen zu bergen.

Danach wurden sie nach und nach ins besetzte Frankreich geschickt, um dort den Atlantikwall fertigzustellen. So sind zum Beispiel die Befestigungsanlagen auf den Kanalinsel von diesen Kolonnen gebaut worden. Es müssen für die Häftlinge paradiesische Zustände gewesen sein, denn der dortige Widerstand organisierte Überfälle auf die Häftlingskolonnen, um die Gefangenen zu befreien. Auch wurden Verstecke und Fluchtrouten für geflüchtete Häftlinge eingerichtet. Die SS-Befehlshaber sahen sich gezwungen, die Bewachung zu verstärken, was im fünften Kriegsjahr immer schwieriger wurde.

Im weiteren Verlauf des Kriegs wurden diese Brigaden wieder ins Reichsgebiet zurückverlegt, um verbunkerte Rüstungsbetriebe wie zum Beispiel Dora-Mittelbau zu errichten. Außerdem wurden zusätzlich noch acht SS-Schienenbaubrigaden aufgestellt, um die zerstörten Eisenbahnverbindungen wieder herzustellen.

Am Schluss des Buches sind die Kurzbiographien der einzelnen Lagerleiter aufgeführt. Dabei ist erstaunlich, dass es zwei Lagerleiter geschafft hatten, halbwegs erträglich Lagerbedingungen zu schaffen. Was sich in der Todesstatistik entsprechend niederschlägt. Zwar wurde auch in diesen Lagern gestorben, aber es waren „nur“ Arbeitsunfälle auf Grund der schlechten Ausrüstung und Arbeitsbedingungen.

Titelinfo 

Autor: Karola Fings
Verlag: Paderborn, Schöningh 2005
ISBN: 3-506-71334-5
Preis: 45,00 €

Verfügbarkeit 

Dieses Buch ist nicht bei uns erhältlich.

Rezension aus 

Schattenwelt 1/2007

Autor: Peter WolfarthStand: 27.06.11 Seitenanfang