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Archäologische Grabungen zur Neuen Reichskanzlei »Fahrerbunker« und »Führerbunker«

Ministergaerten - Ausstellung

Diese Sonderausstellung beruht auf der Arbeit des damaligen Leiters des Archäologischen Landesamts, Alfred Kernd'l (1929–2005), aus dem Jahr 1993. Er dokumentierte den „Fahrerbunker“, einen weiteren Bunker und Fassadenreste der ehemaligen Neuen Reichskanzlei. Ergänzend zeigt die Ausstellung die  „Abrißgeschichte“ des sogenannten Führerbunkers.

Diese baulichen Reste und Fundamente waren und sind der Öffentlichkeit nicht zugänglich. Die durch die Archäologen geborgenen Gegenstände wurden gemeinsam mit Fotos der Ausgrabungen im September 1992 kurzzeitig im Deutschen Historischen Museum und ein weiteres Mal, unter dem Titel „Archäologie des Grauens“, von Mai bis September 2005 im Museum für Vor- und Frühgeschichte gezeigt. Ausgewählte Funde aus dem Bereich „Ministergärten“ und Wandbilder des „Fahrerbunkers“ waren zuvor in der Ausstellung „Menschen, Zeiten, Räume – Archäologie in Deutschland“ von Dezember 2002 bis März 2003 im Martin-Gropius-Bau zu sehen.

Im Folgenden einige Auszüge dieser Sonderausstellung.

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Alfred Kernd'l

1968 erhielt Dr. Alfred Kernd’l eine Festanstellung als wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Dienststelle des Vertrauensmannes für die kulturgeschichtlichen Bodenaltertümer. Die Schwerpunkte seiner Tätigkeit lagen dabei auf der Redaktion der Schriftenreihe „Ausgrabungen in Berlin“, der Vorbereitung und Begleitung von Sonderausstellungen und dem Betreuen von Ausgrabungen. Mit der Gründung des Archäologischen Landesamtes Berlin übernahm er dessen Leitung bis 1994.

Insbesondere nach dem Fall der Mauer zeigte sich Kernd’ls vorurteilsfreier Umgang mit Bodendenkmälern der jüngeren Geschichte. Erhebliches Aufsehen erregte sein Einsatz für den Schutz der im Berliner Untergrund erhaltenen Zeugnisse des Dritten Reichs. Aufgrund der ablehnenden Reaktionen von Politikern, Medienvertretern und sogar der eigenen Fachkollegen, welche den archäologischen Wert der betreffenden Objekte bezweifelten, geriet er mit seinen Anschauungen jedoch zunehmend unter Druck.

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Der Fahrerbunker

Der zum Grenzstreifen gehörende westliche Bereich der ehemaligen Ministergärten blieb von Tiefenttrümmerungen verschont. Der Ort wurde so unbeabsichtigt zum „archäologischen Reservat“, in dem aussagefähige historische Spuren im Erdreich überdauern konnten. Hier trat nach dem Fall der Mauer die Vergangenheit bereits im Frühjahr und im Sommer 1990 an zwei Stellen plötzlich wieder zutage. Als erstes öffnete sich März im Zusammenhang mit einer „gesamtdeutschen“ Baumpflanzaktion kurzfristig der Zugang zu einem noch erhaltenen Bunkerkomplex unter der ehemaligen Neuen Reichskanzlei.

Drei Monate darauf wurde bei der Munitionssuche zur Vorbereitung des Konzertspektakels von Pink Floyd's „The Wall“ ein isoliert liegender Bunker gefunden. Er überlieferte einen Zustand aus den letzten Kriegstagen. Vor allem die dort erhaltenen Wandbilder lösten eine bis heute anhaltende Kontroverse über den Umgang mit den materiellen Zeugnissen des Geländes aus. Zwei Jahre später beauftragte das Abgeordnetenhaus von Berlin das Archäologische Landesamt mit der Dokumentierung von Resten der historischen Topographie des Geländes. Danach wurden die Bunker durch Anbringen von Stahlplatten und Verfüllung der Zugänge mit Trümmerschutt wieder verschlossen.

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Der Führerbunker

Nach der Einnahme Berlins durch die Sowjets war das Interesse am letzten Aufenthaltsort Hitlers groß. Die ersten Untersuchungen am 2. Mai 1945 und zwei Monate später galten dem Verbleib Hitlers und weniger dem feuchten Bunker. Bereits jetzt stand das Wasser eine Handbreit über dem Boden. Ein Zustrom von Neugierigen auf die Reichskanzlei und den Führerbunker setzte ein. Der ranghöchste Besucher war am 14. Juli 1945 Churchill in Begleitung durch Alexander Cadogan, ständiger Unterstaatssekretär im Foreign Office.

Um den Zugang zur unliebsamen Touristenattraktion zu verschließen, wurde der Führerbunker mit erbeuteter Munition gefüllt und diese am 11. Dezember 1947 gezündet. Die Explosion hob die Decke mit der darüber befindlichen Zerschellschicht an und warf alle Innenwände wie Pappkulissen um. Während die Reichskanzlei und alle Nebengebäude bis 1949 vollständig abgebrochen wurden, gelang dies beim Bunker selbst in einem zweiten Anlauf 1959 nicht.

Da das Ministerium für Staatsicherheit (MfS) auch im Bereich der ehemaligen Ministergärten unterirdische Verbindungen befürchtete, mit denen es möglich gewesen wäre, die zwei Jahre später errichtete Mauer zu überwinden, begann es im Mai 1969 mit Textrecherchen und der Auswertung von Zeugenaussagen. Anfang 1973 öffnete man auch den Führerbunker und pumpte ihn leer.

1984 beschloss das Politbüro der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED), entlang der Hinterlandmauer an der Wilhelmstraße Wohnungen zu errichten. Dafür wurde der Baugrund in einer Breite von 60 bis 200 Meter von im Boden verbliebenen Fundamenten des Auswärtigen Amts, der Reichskanzlei und ihrer Bunker bereinigt. Diesmal wurde die Abschlussdecke des Bunkers endgültig abgetragen und die bleibende Sohle mit Bauschutt verfüllt. Durch die Tiefenlage von 8,5 Metern unter dem Gelände störte die Bodenplatte des Bunkers nicht bei der Neubebauung. Seit Oktober 1988 ist der Führerbunker nicht mehr zugänglich, und eine Ausgrabung würde lediglich die Bodenplatte und bis zu 2 Meter hohe Reste der Außenwände zutage fördern.

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Bunker unter der Neuen Reichskanzlei

Im Unterschied zu dem später entstandenen Fahrerbunker und auch dem „Führerbunker“, der nie ganz fertiggestellt wurde, waren die Schutzanlagen unter der Neuen Reichskanzlei integrale Bestandteile dieses 1937/38 errichteten Bauwerks. Davon ist dank ihrer Lage im ehemaligen Grenzstreifen ein geschlossener Teilkomplex erhalten geblieben. Er ist heute nur noch über seinen Westzugang begehbar. Der östlich gelegene Zugangstrakt ist bei der Tiefenttrümmerung von 1988 beseitigt worden.

Auf dem Gelände der ehemaligen Ministergärten – zwischen Wohnblock und Haus des Arbeitgeberverbandes Gesamtmetall – ist an der Voßstraße ein flacher, etwa 2 Meter hoher Hügel zu sehen. Unter einer dünnen Vegetationsdecke liegt hier Trümmerschutt, der um und über einen Betonturm geschüttet ist. Im Turm führt eine Treppe noch 2 m tiefer in die Schutzräume. Ein Teil der Räume war – propagandistisch wirksam – für den nächtlichen Aufenthalt von Kindern unter sechs Jahren und schwangeren Frauen aus der Umgebung vorgesehen. In den letzten Kriegswochen dienten einige als Lazarett und wurden in Augenzeugenberichten über das Ende der Reichskanzlei oft erwähnt. 

Im Unterschied zum „Fahrerbunker“ war diese Anlage in den ersten Nachkriegsjahren bekannt und zugänglich. Sie ist völlig ausgeräumt, nur teilweise ist noch eine Fliesenverkleidung erhalten. Die letzte Begehung dauerte nur einen knappen Tag. Nach dem letzten Grundstückswechsel wurde im Oktober 2007 der verschüttete Zugang wieder freigelegt. Grund für diese Maßnahme war das Interesse an der Standsicherheit der verbliebenen Bunkerhälfte.

Ausstellungszeitraum 

1. September bis 30. Dezember 2009

Ort 

Ausstellungspavillon Gertrud-Kolmar-Str. 14/ Hannah-Arendt-Straße
10117 Berlin-Mitte