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Atlantikwall um Klitmøller in Dänemark

In der ersten Oktoberwoche des Jahres 2003 unternahm eine Gruppe Berliner Unterweltler eine einwöchige Reise zum Atlantikwall nach Jütland. Ein großer Vorteil bestand ist, dass zu dieser Zeit das Land nicht mehr mit Touristen überschwemmt ist. Das Wetter ist zu dieser Jahreszeit sehr wechselhaft, Sonne und Regen wechseln sich ständig ab. Allgegenwärtig, wie an der Küste üblich, war der ständige starke Wind.

Auf den Spuren der Olsenbande erkundeten wir etliche Strände mit Bunkeranlagen. Ausgangspunkt war ein Ferienhaus in Klitmøller, von dort wurden etliche Ausflüge zu verschiedenen Anlagen durchgeführt.

Das erste große Ziel ist die ca. 12 Kilometer entfernte Stadt Hanstholm. Hier kann Nordeuropas größte Festungsanlage aus dem Zweiten Weltkrieg besichtigt werden. Lohnenswert ist der Besuch des Museums, welches in eine der insgesamt vier schweren 38-cm-Kanonenbettungen untergebracht wurde. Bei der Erkundung des Museumsgeländes findet man etliche kleine Anlagen zwischen wildem Küstengelände mit Hagebutten- und Sanddornsträuchern.

In die Bettung 3 hat man das Museum eingebaut, die Bettung 4 wurde nicht verändert, im Sommer fährt hier eine Museumsbahn durch die Anlage. Die Bettung 2 ist etwas abseits gelegen und nicht in das Museumskonzept eingebunden, in dieser Anlage hat es offensichtlich einmal großflächig gebrandt. Die Bettung 1 ist die interessanteste. Die Anlage wurde komplett übererdet, oberirdisch ist lediglich ein Stück des Betonringes zu erkennen.

Wer hier die zwei Einstiege findet, kann gut erhaltene Wandbeschriftungen und Bemalungen erkunden. Die Zeichnungen beschreiben unter anderem, wie ein Geschoss in den Aufzug zu legen war. Aufmerksame Beobachter entdecken zudem Abdrücke an den Wänden, die von den gelagerten Treibladungen entstanden sind.

Von der Kreuzung zum Parkplatz des Museums aus ist eine weitere Anlage zu sehen, vermutlich eine Radarstellung. Mit Hilfe einer Taschenlampe kann der zweigeschossige Bunker erkundet werden. Neben alten Trenngittern finden sich noch alte Türen im Untergeschoss. In einem Nebenraum bekommt man über eine offene Metallkuppel einen Bezug zur Außenwelt.

Auf der Straße von Klitmøller nach Hanstholm fährt man an einigen 10,5-cm- und 17-cm-Stellungen vorbei. Auch hier lohnt sich einen Abstecher in die interessante Landschaft die mit viel Beton durchsetzt ist. Der Ausblick vom höchsten Punkt der Stellung über die Küste zum Wasser ist beeindruckend. Um die Anlagen zu erkunden, ist auch hier eine Taschenlampe durchaus von Vorteil. Man sollte sich etwas Zeit mitnehmen, da die Bunker auf einer großen Fläche verstreut liegen.

Thyborøn ist etwa 40 km von Klitmøller entfernt. Die Überfahrt mit der Fähre über den Limfjord ist an sich schon ein ganz besonderes Erlebnis. Es gibt einige Parkplätze in der Nähe des Strandes, an dem Nördlichsten ist eine Experimentier-Attraktion für Kinder untergebracht. Wessen Familie Abwechslung benötigt, findet hier eine willkommene Alternative.

Die ganze Küste bei Thyborøn ist überzogen mit nummerierten Bunkern. Auch hier sind etliche Anlagen mit einer Taschenlampe begehbar. Zum Teil ist es aber nur kriechend möglich, sich einen Einblick in das Innere zu verschaffen. Faszinierend ist, wie tief die Bunker im Laufe der Zeit durch das Abtragen des Sandes – bedingt durch die Brandung – durch das Meer in den Strand eingesunken sind.

Løkken ist ein weiteres lohnendes Ausflugziel, mit einer ungefähren Entfernung von 82 Kilometern Luftlinie zu Klitmøller. Dem Besucher erschließt sich eine atemberaubende Steilküste. Die Bunker auf dem Strand sehen von großer Entfernung so aus, als ob jemand zufällig gewürfelt hätte und der Beton zufällig so gelandet wäre. Hier ist das Abspülen des Sandes durch die Nordsee am deutlichsten zu sehen. Teilweise wurden die Zugänge zu den Bunkern vermauert, häufig wurden jedoch kleine Eingänge in die Vermauerungen hineingestemmt. Viele der Anlagen sind mit farbigen Graffitis übersät.

In diesem Bericht wurde der Fokus auf die großen Anlagen in der Nähe von Klitmøller gelegt, die in einer Woche besucht werden können. Es gibt an der Küste noch weitere Orte, wie zum Beispiel Bulbjerg mit kleineren Museen. Die Kleinstadt Thisted mit ihrer Fußgängerzone ist auch in einer „bunkerfreien Zeit“ eine Abwechslung und sehenswert.

Hinweis 

Dieser Artikel erschien in der vereinsinternen Zeitschrift Schattenwelt im Jahr 2003, Nr. 4.

Autor: Ralf BlauermelStand: 12.05.10 Seitenanfang