Man mag sich bei diesem Titel fragen: Was hat das denn mit Untergrund zu tun? Den Kern dieses kleinen, mit guten Abbildungen versehenen, Bandes bildet eine Beschreibung des germanischen Gehöfts, das heute im Heimatmuseum Reinickendorf als Rekonstruktion zu besichtigen ist. Auch den Autoren kann man alle zwei Jahre beim Museumsfest in Hermsdorf treffen, wenn er – als Germane verkleidet – gerade den jüngeren Besuchern auf eindrucksvolle Weise schildert, wie die Menschen hier vor rund 2.000 Jahren gelebt haben.
Das germanische Gehöft konnte allein aufgrund archäologischer Grabungserkenntnisse originalgetreu aufgebaut werden. Neben dem Wohnstallhaus gehört noch ein in die Erde eingelassenes Spinn- und Webhaus – wohl als Vorläufer heutiger Kelleranlagen zu betrachten – dazu, ebenso ein Speicher für Nahrungsmittel. Während die gängige archäologische Fachliteratur oft sehr dröge geschrieben und manchmal nur schwer zu verstehen ist, versteht es der Autor, das Zeitgeschehen um Christi Geburt und auch weit davor in einer lebendigen Sprache zu vermitteln, ohne dabei den Bezug auf die archäologischen Erkenntnisse zu verlieren.
Der Leser erfährt nebenbei allerlei Wissenswertes, so über das Königsgrab von Seddin, eine gewaltige unterirdische Grabanlage. Auch die Römerschanze bei Potsdam, deren Namensgebung etwas in die Irre führt, kommt nicht zu kurz. Die Wallanlage ist nicht den Römern, sondern als Burganlage der sogenannten Lausitzer Kultur zuzuordnen. Über die verschiedenen Völker, die einst den Berliner Raum besiedelten, wird ebenfalls viel Interessantes mitgeteilt.
Etwas zu dramatisch wird es vielleicht, wenn in einem Unterkapitel vom „Anmarsch römischer Legionen auf Berlin“ unter Tiberius, einem der Feldherren von Kaiser Augustus, die Rede ist. Berlin hat es zu diesem Zeitpunkt bekanntlich noch nicht gegeben. Aber Augustus hatte seinem Feldherrn das Überschreiten der Elbe verboten, wohl auch im Hinblick auf das Heeresaufgebot der Semnonen und Hermunduren, die sich am östlichen Elbufer sammelten. Ein weiser Entschluß des Kaisers? Wir wissen, daß nur wenige Jahre später (9 n.Chr.) römische Legionen unter Varus eine katastrophale Niederlage im Teutoburger Wald erlitten. Das Semnonenland im Berliner Raum wurde von den Römern nie erobert. Allen, die sich einen kurzen Überblick über die geschichtlichen Zusammenhänge vor rund zweitausend Jahren verschaffen wollen, ohne dicke Bücher studieren zu müssen, sei dieser 96 Seiten umfassende Band wärmstens empfohlen.
Autor: Hans-Joachim Arnold
Erschienen im: Förderkreis für Bildung, Kultur und internationale Beziehungen, Berlin-Reinickendorf
ISBN: 3-927611-18-2
Preis: 7,30 € (96 Seiten)
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