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AEG-Versuchstunnel

Wer kennt heute noch den wirklich ersten U-Bahntunnel Berlins? Er ist aber auch zugegebenermaßen etwas schwer zu finden, zudem nicht unbedingt öffentlich zugänglich. Liegt er doch auf dem Gelände der ehemaligen AEG-Fabrik zwischen Brunnenstraße und Ackerstraße in Wedding. Gut erhalten ist dieses knapp 300 m lange Bauwerk gleichwohl, wenn auch etwas verlassen. Einige Stromkabel und Reste der Oberleitungen erinnern noch daran, daß hier einmal von 1895 bis etwa 1914 eine elektrische Tunnelbahn für betriebsinterne Zwecke verkehrte. Ansonsten ist in den Tunnel, der über eine erstaunlich gute Akustik verfügt, nach dem Zweiten Weltkrieg eine Estrichschicht eingezogen. So kann man ohne Probleme noch heute unterirdisch von der Brunnenstraße in die Ackerstraße gelangen.

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Die AEG-Röhrenbahn

Diese Anlage entstand in Vorbereitung auf den Bau der ersten wirklichen U-Bahn für die deutsche Reichshauptstadt. Zwei Großkonzerne stritten sich um den Zuschlag für dieses prestigeträchtige Projekt: AEG und Siemens. Ersterer legte bereits 1891 erstmals ein ausgeklügeltes Konzept für ein ausschließlich unterirdisch geführtes Verkehrssystem in Berlin hervor, die sogenannten „AEG-Röhrenbahn“ nach Londoner Vorbild. Konkret umgesetzt wurden diese Entwürfe in zwei frühen Tunnelprojekten in Stralau und eben hier auf dem Weddinger Betriebsgelände. Die AEG wollte dadurch beweisen, daß sich in den märkischen Sand eben doch – trotz aller vorhandener Ressentiments – die Erbauer der Berliner Kanalisation um James Hobrecht etwa fürchteten um ihr schönes, schmuckes unterirdisches Abwassernetz – anständige und solide ausgeführte U-Bahn-Tunnel bohren lassen konnten

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Bau und Testbetrieb

1895 begannen dann die Bauarbeiten zu diesem 295 m langen Tunnel. Die Züge, elektrische Tunnelwagen, fuhren von den beiden oberirdischen Endstationen in der Brunnen- bzw. in der Ackerstraße bis auf eine Tiefe von 6,50 m unter die Oberfläche herunter. Die Röhre selbst war elliptisch geformt, 2,60 m breit und 3,15 m hoch. Ein Beteiligter erinnert sich an die mit einem infernalischen Getöse durchgeführten Fahrten: „Mit 30 Sachen ging es durch den Keller. [...] Zu einem solchen Betrieb gehörte natürlich auch ein Stationsvorsteher. Er stellte Weichen, gab Abfahrtszeichen und bediente die Signale. Doch was heißt schon Signale – wenn eine Holzbohle über die Schienen gelegt wurde, bedeutete das „Rot“ – der Zug mußte also halten. Später modernisierte man dieses System. Jeder Zugführer, der für den Tunnel freie Fahrt hatte, erhielt einen roten Stab auf den Weg. Das hieß praktisch „Grün“. Auch so kam man über die Strecke.“

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Im Dornröschenschlaf

Leider nutzte dieser Tunnel der AEG nicht viel. Siemens setzte sich mit seinem preiswerteren Konzept einer Hochbahn durch. So entstand dann schließlich im Jahre 1902 die heutige U 1 zwischen Warschauer Brücke und Gleisdreieck (mit Anschluß nach Potsdamer Platz) als die eigentliche „erste U-Bahn“ Berlins. Die AEG nutzte den Tunnel aber weiterhin, nur für betriebsinterne Zwecke eben, um Arbeiter und Materialien von einem Fabrikgelände zum anderen zu befördern. Bis 1910 etwa, dann wurde die östliche Tunnelrampe abgebrochen, der Tunnel selbst um einige Hundert Meter in die Kellerräume eines Neubaus verlagert. Zwischenzeitlich wurde er im Zweiten Weltkrieg auch noch als Luftschutzanlage für die Betriebsangehörigen genutzt. Aber sonst ruht dieses bemerkenswerte Baudenkmal aus der Frühzeit des Berliner U-Bahnbaus in einem seligen Dornröschenschlaf. Wer vermag den Tunnel bloß aus diesem Schlaf des Vergessens wiederzuerwecken?

Fakten 

in Betrieb: 1895
Ausdehnung: Länge 295 m, Breite 2,60 m, Höhe 3,15 m
Nutzungszweck: Versuchstunnel für die U-Bahn 1895 bis ca. 1910 betriebsinterne elektrische Tunnelbahn im Zweiten Weltkrieg Luftschutzanlage für den Werkluftschutz
Zustand: intakt, steht unter Denkmalschutz, nicht öffentlich zugänglich